Das Zentrum von Rügen

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Die Mitte der Insel Rügen wird weitgehend durch die Landwirtschaft genutzt. Dennoch reiht sich längst nicht ausschließlich eine Ackerfläche an die andere. Im Gegenteil: Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich. In dem leicht hügeligen Gelände mit nur unwesentlichen Erhebungen können die Urlauber herrliche Wanderungen zu Fuß oder mit dem Rad unternehmen. Auch verschiedene Gestüte organisieren Ausritte. Es geht vorbei an Wiesen und Feldern, durch kleine Wälder; dazwischen finden sich immer wieder Bäche,Teiche und Sümpfe mit ihrer typischen Vegetation.

Ortschaften in Rügens Mitte


Das Zentrum von Rügen ist recht dünn besiedelt. Kleine Ortschaften und einzelne Gehöfte prägen das Bild. Die einzige Ausnahme bildet Bergen auf Rügen. Die dazwischen verstreuten Dörfer sind aber durchaus ebenfalls sehenswert. Vielfach beeindrucken sie mit schönen Kirchen aus längst vergangenen Zeiten oder mit liebevoll restaurierten Wohnhäusern. Wer der Stadt Bergen auf Rügen einen Besuch abstattet, sollte daher unbedingt auch die kleinen Dörfer der Umgebung besichtigen. Sie haben alle deutlich unter 1.000 Einwohnern, was die typische Gemeinschaft und das unverfälschte Leben besonders gut wachhält.

Bergen auf Rügen stellt nicht nur den geografischen Mittelpunkt der Insel dar, sondern hat sich auch zur heimlichen Hauptstadt entwickelt, wobei diese Funktion hier überhaupt nicht existiert. Aber in Bergen laufen viele Drähte zusammen; die Stadt mit ihren gut 14.000 Einwohnern ist ein Verkehrsknotenpunkt und auch ein wirtschaftliches Zentrum für die Belange der Insel Rügen geworden.

Die lange Geschichte der Stadt Bergen auf Rügen ist eng mit den Ranen verbunden – als deren Einfluss mit dem Niedergang ihres Tempels Jaromarsburg ab dem 12. Jahrhundert nachließ, vollzog sich fast zeitgleich die Christianisierung der Insel, dokumentiert mit dem Bau der Marienkirche in Bergen. Die ersten Fürsten auf Rügen waren zwar noch Ranen, aber sie passten sich blitzschnell den neuen Gegebenheiten an. Bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts hinein standen die Geschicke von Bergen auf Rügen unter dem Schutz und der Leitung eines Klosters, zu dem die Marienkirche letztlich gehörte.

Die Stadt Bergen verfügt über ein sehr interessantes Museum, in dem die Stadt- und die Inselgeschichte von der ersten Besiedlung Rügens in der frühen Vorzeit an bis in die Neuzeit hinein anschaulich dargestellt sind.

Bauwerke in Bergen auf Rügen


Die Marienkirche ist zweifelsfrei eins der bedeutendsten Bauwerke in Bergen auf Rügen. Da der Bau bereits Ende des 12. Jahrhunderts begann, ist das Grundkonzept romanischen Ursprungs. Aus dieser Epoche stammt die Basilika mit Querschiff. Als frühestes, nämlich noch romanisches Teil der Innenausstattung gilt ein Kelch von 1250. Sehr bedeutend sind die Wandmalereien der Bergener Marienkirche. Sie stammen ebenfalls aus der Romanik und sind außer hier auf Rügen in dieser Art sonst nicht in Norddeutschland zu finden.

Im 14. Jahrhundert, also bereits in der Gotik, entstanden das Längsschiff mit fünf Jochen und das Obergeschoss des Querschiffs, zudem stammt das Taufbecken aus dieser Zeit. Ein Kronleuchter, der Altar und die Kanzel zeigen klare Merkmale des Barock.

Eine kuriose Besonderheit stellt das Zifferblatt der westlichen Kirchturmuhr dar: Es ist in 61 Minuten unterteilt! Im Verlauf einer Reparatur 1985 stellten die Bauarbeiter eine Lücke zwischen der 11 und der 12 fest und brachten der Einfachheit halber einen zusätzlichen  Markierungsstrich an.

Das Kloster in Bergen auf Rügen entstand fast zeitgleich mit der Marienkirche. Bis zur Reformation diente es Benediktinerinnen als Wohnsitz, die später die Regeln der Zisterzienserinnen übernahmen. Ab Anfang des 18. Jahrhunderts hatte es die Funktion eines adeligen Damenstifts. Wegen des langen Leerstandes sind große Teile des Klosters verfallen. Lediglich das Refektorium und zwei Wohnhäuser aus der Zeit als Damenstift sind erhalten – allerdings sind Bestrebungen im Gange, weitere Teile wiederherzustellen. Heute ist das ehemalige Kloster Sitz des Bergener Stadtmuseums, zudem gibt es verschiedene Schauwerkstätten.

Weitaus jünger und für die vorwiegend protestantische Bevölkerung Rügens auch viel weniger bedeutend ist die Katholische Pfarrkirche St. Bonifatius in Bergen. Aber auch die wenigen Rügener Katholiken sollten seelsorgerische Betreuung bekommen. So entschied sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Pfarrer aus Stralsund zu Besuchen in Privathäusern, um dort Gottesdienste abzuhalten. 1863 entstand daraufhin ein Missionshaus mit einer kleinen Kapelle, zu der die Gläubigen strömten. Da sie schon bald zu klein wurde, sammelte der damalige Pfarrer Spendengelder für den Bau eines größeren Gotteshauses, das 1912 fertig war.

Diese Pfarrkirche ist ein sehr ansprechendes Gebäude im neugotischen Stil; die Orgel stammt erst von 2000.

Bergen auf Rügen verfügt neben den sakralen Gebäuden über viele historische weltliche Bauten. Die meisten davon gruppieren sich rund um den Marktplatz, der viel von seiner ursprünglichen Funktion verloren hat, der aber dennoch ein beredtes Zeugnis ablegt vom Leben früherer Generationen.

Das bekannteste Wohngebäude in Bergen ist das Benedix-Haus, das mit dem Baujahr 1538 als Inschrift sogar als das älteste der gesamten Insel Rügen gilt. Es handelt sich um ein sehr schön restauriertes Fachwerk-Gebäude. Seinen Namen verdankt das Benedix-Haus einer ganzen Generation von Bäckern, die es lange bewohnt hat. Jetzt ist das Haus Sitz der Stadtinformation. Außerdem sind hier die Räume des Standesamtes untergebracht.

Das naturgemäß bedeutendste Gebäude am Bergener Markt ist ohne Zweifel das Rathaus. Architektonisch ganz besonders interessant ist es wegen des Umstands, dass es gleich zwei Gebäude aus unterschiedlichen Epochen vereint: Der westliche Giebel stammt von etwa 1860 und ist dem Historismus verpflichtet, während der östliche von 1912 die typischen Merkmale des Jugendstils aufweist.

Das ehemalige Postgebäude ist heute Sitz der Bergener Zeitung. Der prachtvolle Bau von 1891 spiegelt das Repräsentationsbedürfnis der wilhelminischen Ära wieder. Es steht an der Stelle, an der seinerzeit der Marktpfuhl als Spritzenhaus und als Pferdetränke diente.

Ganz in der Nähe dieses schönen Bauwerks liegt ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten: der Stapelstein. Mit Stapel bezeichnete man seinerzeit die Rechtsprechung, die hier in Bergen wie auch in anderen Gegenden von Rügen an jedem Freitag dort stattfand. Der riesige Granitfindling hat einen Umfang von 12 Metern und gelangte eher zufällig bei Bauarbeiten wieder ans Tageslicht.

Auf dem Rugard, einem Freizeitpark und Naherholungsgebiet mitten in Bergen auf Rügen, entstand im 19. Jahrhundert der Ernst-Moritz-Arndt-Turm. 1869 förderte der Fürst zu Putbus das Vorhaben, indem er der Stadt Bergen dort ein Gelände kostenlos überließ. Überhaupt hatte der Fürst großen Anteil am Bauvorhaben. Denn er stiftete auch die Ziegel, die aus einer Rügener Ziegelei stammten. Daneben flossen reichlich Spendengelder – sogar Kaiser Wilhelm I. selbst beteiligte sich.

Die insgesamt 79 Stufen, die zum eigentlichen Turm hinaufführen, sind aus einem riesigen Rügener Findling gehauen. 1877 waren die Bauarbeiten beendet. Den Zweiten Weltkrieg und das DDR-Regime überstand der Ernst-Moritz-Arndt-Turm unbeschadet, wenn auch teilweise zweckentfremdet.  Im Jahr 2002 fanden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen statt; seither besitzt der Turm eine gläserne Kuppel und eine zweite, hoch gelegene Aussichtsplattform.

Den herrlichen Panorama-Blick über Rügen sollten sich die Besucher nicht entgehen lassen. Der mehrgeschossige Turm ist zwar in einer sehr kompakten Bauweise errichtet, wirkt durch die unterbrochenen Flächen, die Säulen und Fensterreihen dennoch recht luftig.

Ganz in der Nähe des Ernst-Moritz-Arndt-Turms liegt sehr idyllisch die Freilichtbühne. Sie stammt aus den 1930er Jahren, als sie ein Versammlungsort war. Die heutige Funktion bekam sie etwa 30 Jahre später; nach Sanierungsarbeiten zu Beginn dieses Jahrtausends bietet sie 5.000 Besuchern Platz. Wer Bergen besucht, sollte sich eine stimmungsvolle Aufführung nicht entgehen lassen.

Die Landschaft in und um Bergen auf Rügen


Obwohl Bergen auf Rügen durchaus einen städtischen Charakter hat, ist der beschauliche Aspekt erhalten geblieben. Denn das Städtchen liegt eingebettet in eine waldreiche Hügellandschaft, die vom Zentrum aus rasch zu erreichen ist. 

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Im Norden der kleinen Stadt erstreckt sich der Raddas. Dabei handelt es sich um ein ausgedehntes Waldgebiet vorwiegend mit Buchenbestand. Diese einladende Fläche entstand bereits in den 1830er Jahren und war zuvor lediglich meist ungenutztes Weideland. Durch zahlreiche Spazierwege und gemütliche Sitzbänke hat sich die Raddas zum sehr beliebten Erholungsgebiet in Bergen auf Rügen entwickelt. Südlich davon liegt der Rotenseepark, der vor allem wegen seiner Feuchtbiotope bekannt und beliebt wurde.

Alte Zeiten und Moderne verbindet der Rugard. Mit einer Höhe von immerhin 91 Metern ist es der dritthöchste Bereich der Insel Rügen. Früher, genau genommen noch nach 1325, gab es an dieser exponierten Stelle eine slawische Burg, in der die Ranenfürsten ihre Rügener Residenz eingerichtet hatten. Davon sind inzwischen nur noch Teile des Walls vorhanden. Dennoch ergibt sich ein anschauliches Bild der ehemals eindrucksvollen Anlage.

Bis ins Jahr 1830 war der Rugard ein von allen Seiten einzusehendes Gebiet. Erst dann begannen auf Initiative von Fürst Malte I. zu Putbus Aufforstungen. Er entschied sich ganz bewusst für Bäume aus anderen Regionen: Heute beeindruckt der Rugard auf Rügen durch seine Artenvielfalt in Flora und Fauna.

Inzwischen  hat sich der Rugard zu einem Freizeitzentrum ersten Ranges entwickelt. Neben beschaulichen Spaziergängen kann der Besucher sportliche Aktivitäten ausüben: Von der Kletterwand bis zur Sommerrodelbahn hält der Freizeitpark des Rugard unterschiedliche Möglichkeiten bereit.

Nordwestlich von Bergen auf Rügen liegt der Nonnensee, ein etwa 0,7 Quadratkilometer großes Gewässer. Nach einer Sage soll sich an dieser Stelle ein Nonnenkloster befunden haben, dessen Bewohnerinnen zwar sehr reich, aber auch sehr hochmütig und überheblich waren. Als Strafe wurde das Kloster überschwemmt, wobei angeblich an Pfingsten Klagelaute aus dem See zu hörten sind.

Schon 1859 gab es Bestrebungen, den Nonnensee trockenzulegen, weil man sich von dieser Fläche gute landwirtschaftliche Erträge erhoffte. Dieses Unterfangen war jedoch zum Scheitern verurteilt. Erst über 100 Jahre später, nämlich 1967, baute man eine Pumpstation, mit der man den Wasserspiegel absenkte und zugleich die umliegenden Felder bewässerte.

Zum Glück sorgte ein länger andauernder technischer Defekt dafür, dass die Fläche wieder mit Wasser volllief. Mittlerweile ist der Nonnensee ein Paradies für Naturliebhaber. Sie können den See mit seiner vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt auf einem Rundweg beobachten, wozu auch zwei Aussichtstürme angelegt sind. Denn sehr viele Vogelarten haben sich hier in großen Zahlen angesiedelt; darunter sind einige besonders seltene.

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Ralswiek im Zentrum von Rügen hat nur gut 250 Einwohner, aber das kleine Dorf blickt auf eine lange Geschichte zurück, in deren Verlauf etliche interessante Bauten entstanden sind. Es liegt etwa fünf Kilometer nördlich von Bergen auf Rügen, und zwar direkt am Ufer des Großen Jasmunder Bodden. Diese exponierte Lage führte dazu, dass Ralswiek im Mittelalter einer der bedeutendsten Ostseehäfen war. Von hier aus trieben die Ranen regen Handel selbst mit entfernten Regionen, was Funde aus Persien und Arabien belegen. Vier Wikingerboote zeugen von den Verkehrswegen der Rügener von Ralswiek aus.

Auch die Epochen nach der Christianisierung Rügens im späten 12. Jahrhundert haben ihre Spuren in Ralswiek hunterlassen. Das ehemalige Probsteigebäude ist mit seiner spitzbogigen Türumrandung und dem lockeren Stufengiebel bereits ganz der Gotik verpflichtet.

In späteren Jahrhunderten war Ralswiek Lehen mehrerer Adelsfamilien. Die des Grafen Douglas machte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts um den Ort verdient, indem sie die Infrastruktur stärkte, diverse nützliche Gebäude errichten und vor allem auch die kleine Holzkapelle aufbauen ließ, die der Graf auf einer Ausstellung in Stockholm als Musterkirche gesehen hatte. Das Kirchlein erinnert eher an ein schwedisches Wohnhaus mit seinem roten Anstrich und den weiß umrahmten Fenstern als an ein Gotteshaus. Inzwischen finden in dem originellen Gebäude Orgelkonzerte statt.

Der Graf ließ sich in den 1890er Jahren ein Gutshaus bauen, das schon eher den Charakter eines Schlosses hat. Es ist im Stil der Neorenaissance gebaut – als Vorbilder dienten die entsprechenden französischen Schlösser. Das Schloss in Ralswiek war innen im Jugendstil eingerichtet. Viele der Gegenstände sind heute noch erhalten, wenn das Gebäude inzwischen auch ein Hotel beherbergt.

Ganz in der Nähe des Schlosses befindet sich die Naturbühne von Ralswiek, auf der jedes Jahr die Störtebecker Festspiele stattfinden.