Die Halbinsel Wittow im Nordwesten von Rügen

Die Halbinsel Wittow nimmt den Nordwesten Rügens ein. Sie erstreckt sich etwas weiter in Richtung Norden als die östlich gelegen Halbinsel Jasmund. So kommt es, dass sich auf Wittow der nördlichste Punkt Rügens befindet. Dies ist übrigens nicht – wie häufig vermutet – das berühmte Kap Arkona. Vielmehr liegt etwa einen Kilometer weiter westlich Gellort, der tatsächlich als dieser extreme Punkt ausgemacht ist.

Dennoch hat das Kap Arkona sehr viel Sehenswertes zu bieten: Gleich zwei Leuchttürme, Reste einer slawischen Burganlage, zwei Treppen zur Küste hinunter, ein kleines idyllisches Fischerdorf, das beschauliche Putgarten und sehr viel beeindruckende Natur sorgen dafür, dass jährlich etwa 800.000 Besucher diese Region Rügens besichtigen.

Ganz im Westen schließt sich an den Wittower Komplex die Halbinsel Bug an; der ausgefranste Küstenverlauf macht dem auf ganz Rügen zu findenden alle Ehre. Bug ist etwa acht Kilometer lang und teilweise weniger als 100 Meter breit. Da lässt sich die Ostsee besonders gut spüren.

Neben den Naturschönheiten bietet die Halbinsel Wittow auf Rügen noch viele bauliche Sehenswürdigkeiten. In den durchweg kleinen Städten und Dörfern gibt es überraschende Baudenkmäler, wie etwa die gotische Kirche in Altenkirchen.

Das Kap Arkona auf Rügen


Genau genommen bezeichnet das Kap Arkona auf Rügen einen steilen Küstenabschnitt, dessen Kante 45 Meter tief ins Meer hinabfällt. Due Wand besteht vorwiegend aus Kreide und bietet von den Seiten oder vom Meer aus gesehen ein imposantes Bild. Kap Arkona heißt aber ebenfalls die Fläche vor diesem Kliff, die etliche auch bauliche Sehenswürdigleiten zu bieten hat.

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Das Kap Arkona kann gleich mit zwei Leuchttürmen aufwarten, deren einzige Gemeinsamkeit die Funktion ist. Baulich sehen sie vollkommen unterschiedlich aus.

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Der kleinere entstand 1828 nach Plänen des berühmten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel und wirkt beinahe wie ein schmales Wohnhaus; als solches wurden die drei Etagen (mit Fenstern) von den Dienstleuten teilweise auch genutzt. Der quadratische Grundriss erscheint  recht kompakt, allerdings strahlt das Leuchtfeuer in 60 Metern Höhe. Es tat bis 1905 seinen Dienst. Im Jahr 1860 entstand übrigens in Niechorze an der westpommerschen Küste Polens das Wahrzeichen der beschaulichen Landshaft – ebenfalls von Schinkel konzipiert.

Den Rügener Schinkelturm löste im Jahr 1905 ein 35 Metzer hoher Turm mit einer Feuerhöhe von 75 Metern ab. Er steht auf einem achteckigen Sockel und hat insgesamt die für Leuchttürme typische runde Form, die sich nach oben hin verjüngt. Dieser
Leuchtturm ist nach einigen technischen Modernisierzungen noch heute in Betrieb.

Ein dritter Turm erhebt sich am Rügener Kap Arkona, der ehemalige Marine-Peilturm von 1927. Er besteht aus Ziegeln und zylindrisch geformt. Darin befinden sich heute ein Kunstmuseum und ein Atelier. Im  Schinkelturm ist eine Außenstelle des Standesamtes untergebracht.

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Die Steilküste von Kap Arkona auf Rügen überwinden kann man über gleich zwei Treppen: Die Königstreppe entstand 1833 und verdankt ihren Namen dem preußischen König Friedrich Wilhelm III., für dessen Empfang sie einst zusammen mit einem Schiffsanleger entstand. Sie hat insgesamt 200 Stufen und kann heute noch genutzt werden, während der Anleger nicht mehr existiert. – Etwas weiter südlich führt die Veilchentreppe zum Strand in Richtung Vitt hinab. Die sonst recht seltenen Frühlingsblumen, die es an dieser Stelle Rügens noch reichlich gibt, haben der Treppe den Namen gegeben.

Die Jaromarsburg am Rügener Kap Arkona war keine Burg im klassischen Sinne, sondern dienet den Ranen, die zwischen dem 6. und 12.jahrhiundert das Gesicht Rügens prägten, als religiöse Kultstätte. Deren Zentrum war der Gott Swantewit. Damals lag die Tempelanlage bestens geschützt: An der Landseite wehrte ein Wall mögliche Angreifer ab, sonst die Steilküste. Genau diese exponierte Lage wurde dem Heiligtum in den letzten Jahrhunderten aber zum Verhängnis: Denn durch stetige Küstenabbrüche versanken mehr und mehr Teile im Meer. Zudem hatten im Jahr 1168 die Dänen im Zuge der Christianisierung Rügens bereits Teile davon zerstört.

Bei Gellort, dem tatsächlich nördlichsten Punkt von Rügen, liegt ein riesiger Findling. Mit einem stolzen Gewicht von 165 Tonnen ist er der viertgrößte auf der Insel Rügens. Dass ein solcher Koloss auch einen Namen hat, versteht sich von selbst, dieser heißt Siebenschneiderstein.

Ortschaften auf der Rügener Halbinsel Wittow


Wer das Kap Arkona auf Rügen besuchen möchte, gelangt über das Dorf Putgarten dorthin. Hier gibt es einen großen Parkplatz, denn die Weiterfahrt ist mit dem PKW nicht gestattet. Stattdessen gibt es Kutschen, die Kap-Arkona-Bahn, die übrigens auf Rädern fährt, Fährräder oder einen knapp zwei Kilometer langen Fußweg.  Die knapp 300-Seelen-Gemeinde Putgarten profitiert von der günstigen Lage in der Nähe zu einer der Haupt-Attraktionen auf Rügen. Sonst kämen vermutlich weniger Urlauber hierher. Eigentlich schade, denn sie würden ein hübsches Dorf in zauberhafter Lage verpassen. Und vor allem die eingemeindeten Ortschaften.

Davon ist Vitt absolut empfehlenswert. Das winzige Dorf besteht fast ausnahmslos aus reetgedeckten Häusern, die zum Teil in Fachwerk-Bauart errichtet sind, und steht komplett unter Denkmalschutz. So auch die achteckige Kapelle, die 1816 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtet wurde. Ihr Dach ist ebenfalls mit Reet gedeckt, und die Fenster besitzen sogar Läden – sehr ungewöhnlich für einen Sakralbau. Das eher schlichte Innere ist mit Bildern maritimen Charakters geschmückt.

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Auch Nobbin gehört zur weit ausgelegten Gemeinde von Putgarten. Es liegt zwischen dem Kap Arkona und der Schaabe, also der Verbindung der beiden Halbinseln Wittow und Jasmund. Da dieses zehn Kolometer lange Stück einen herrlichen Sandstrand aufweist – viele nennen ihn den schönsten von ganz Rügen – hat sich in dem nur wenige Häuser großen Dörfchen ein vergleichsweise reger Tourismus etabliert. Zudem profitiert die Ortschaft von der Hinterlassenschaft ihrer Vorväter: In unmittelbarer Nähe zur Steilküste liegt ein Hünengrab, genannt Riesenberg, aus der Jungsteinzeit der Insel Rügen. Diese Grabanlage ist zwar nicht mehr vollständig erhalten, bietet aber dennoch einen guten Einblick in die Bestattungsriten längst vergangener Epochen.

Ein Rügener Seebad ganz besonderer Art ist Juliusruh. Es liegt am nördlichen Ende der Schaabe, also der Verbindung zwischen den Halbinseln Wittow und Jasmund. Wem in anderen Rügener Seebädern der Strand zu klein oder zu überfüllt sein sollte (was indessen kaum anzunehmen ist) findet in Juliusruh ein echtes Paradies. Die insgesamt zehn Kilometer lange Landzunge zeichnet sich durch den – wie viele sagen – schönsten Strand von ganz Rügen aus: feinsandig, weiß und unendlich weit. Zum Faulenzen gibt es in Breege-Juliusruh ebenso viele Möglichkeiten wie zu sportlichen Aktivitäten. Naturgemäß beziehen sie sich hauptsächlich auf diejenigen, die mit dem Wasser zu tun haben.

Zum Relaxen steht zudem der herrliche Kurpark zur Verfügung, der bereits 1795 in Privatinitiative entstand und heute wieder sein ursprüngliches, sehr harmonisches Gesicht zeigt.

Altenkirchen liegt recht zentral auf der Rügener Halbinsel Wittow. Das weit ausgedehnte Gebiet der Gemeinde ist hügelig und bietet Spaziergängern sowie Radfahrern beste Möglichkeiten. Allerdings ist nur der östliche Teil bewaldet. Einen überregionalen Bekanntheitsgrad hat die Pfarrkirche von Altenkirchen erreicht. Sie ist als dreischiffige Basilika konzipiert und entstand schon 1168. Damit zählt sie zu den ältesten Sakralbauten auf Rügen. Auch die Innenausstattung zeigt romanische Züge, wenn auch etliche Teile später hinzukamen wie etwa der kunstvoll geschnitzte und reich verzierte Barockaltar.

Die Halbinsel Bug auf Rügen


Die Halbinsel Bug, die im Westen an der Halbinsel Wittow anhängt, wirkt auf der Landkarte wie ein sehr fragiles Gebilde, das jederzeit vom Mutterland abbrechen könnte. Und tatsächlich misst die acht Kilometer lange Sandnase stellenweise weit weniger als 100 Meter in der Breite.

Der Bug ist die größte Nehrung von Rügen und wächst kontinuierlich weiter. Um zumindest eine kleine Stelle zwischen dem Bug und der westlich vorgelagerten Insel Hiddensee zu erhalten, sind ständige Baggerarbeiten an der Fahrrinne notwendig.

Auf Bug konnten sich Flora und Fauna auf eine ganz besondere Art entwickeln, weil ein großer Teil der Halbinsel lange Zeit eins der militärischen Sperrgebiete auf Rügen war. Zudem siedeln sich in den neu angespülten  Landgebieten viele Würmer und andere Kleinstlebewesen an, die wiederum seltenen Vogelarten als eine üppige Nahrungsquelle dienen.