Der Südosten der Insel Rügen

Der Südosten der Insel Rügen endet in der Halbinsel Mönchgut mit ihren sanften Hügeln, der zerklüfteten Küste und der unberührten Natur. Im Norden schließt sich die Granitz an, das riesige Waldgebiet mit seinem dichten Buchenbestand – ein einzigartiges Naturdenkmal. Mittendrin hat sich Fürst Malte I. zu Putbus in den Jahren 1838 bis 1846 ein sehr dekoratives Jagdschloss errichten lassen, das noch heute die Besucher verzaubert.

Am Ostrand dieser Region sind die bedeutenden Seebäder entstanden: Binz und Sellin sowie weiter südlich Baabe, Göhren und Thiessow. Sie alle bestechen durch ihre feinsandigen Strände, die sich kilometerlang und bis zu 50 Meter breit an der Ostsee entlangziehen. Daneben kam ihnen die politische Wende zugute: Die ehemals zwangsenteigneten Betreiber von Pensionen, Hotels und sonstigen Gebäuden durften ihre Häuser wieder in Besitz nehmen – eine rege Renovierungstätigkeit war die Folge, von der die vielen Gäste heute profitieren. In jeder Ortschaft ist das Flair eines renommierten Ostseebades spürbar. Dennoch ist jeder einzelne Ort einzigartig und bietet ganz spezielle Sehenswürdigkeiten.

Das gilt gleichermaßen für die Dörfer, die ein wenig abseits im Landesinneren liegen. Gewiss, sie können sich nicht mit dem Status eines Seebads schmücken. Aber trotzdem – vielleicht auch gerade deshalb – handelt es sich bei Lancken-Granitz, Groß Zicker und Middelhagen um Erholungsorte ersten Ranges. Davon zeugen die stetig wachsenden Besucherzahlen. Denn gerade in der hektischen Zeit bevorzugen etliche Urlauber während der Ferien ein großes Maß an Ruhe, ohne dabei auf Abwechslung verzichten zu müssen. Das finden sie abseits der Küsten, die indessen nur wenige Kilometer entfernt sind.

Das Seebad Binz auf Rügen

Seit der politischen Wende im Jahr 1990 hat sich Binz auf Rügen zu dem renommiertesten Seebad der Insel entwickelt und damit seinen Vorgängern Sassnitz und noch davor Putbus den Rang abgelaufen.

Erste Badegäste fanden sich um 1830 in Binz ein, als sich nämlich Besucher des Fürsten zu Putbus an der Mündung der Ahlbeck, die aus dem Schmachter See abfließt, in der Ostsee erfrischten. Für damalige Verhältnisse war dies eine Sensation; denn auch als im späten 19. Jahrhundert das Badeleben zunahm, geschah dies ausschließlich mithilfe der Badekarren. In diesen kleinen Holzbuden auf Rädern konnten sich die Herrschaften umziehen – einzeln, versteht sich – und sich dann von Pferden ein Stück ins Meer ziehen lassen. Dort war es dann gestattet, kurz in der Ostsee einzutauchen, schnell wieder im Badekarren zu verschwinden und ihm komplett angekleidet an Land zu entsteigen.

Als im Jahr 1875 die ersten Badegäste nach Binz auf Rügen kamen, begannen die Verantwortlichen mit dem Ausbau der Putbuser Straße, die vom Dorf zum Strand führt. Die ersten Sommerfrischler waren offenbar ein solcher Erfolg, dass schon zehn Jahre später eine intensive Baumaßnahmen einsetzte. Schließlich wollte man seine Gäste nicht nur standesgemäß unterbringen, sondern ihnen auch sonst einiges bieten. So entstanden großzügig gestaltete Villen im Stil der typischen Bäderarchitektur, auch die ersten Hotels konnten fortan Urlauber beherbergen. Bis zur Jahrhundertwende entwickelte sich das Seebad Binz zu einem sehr beliebten Treffpunkt der Sommerfrischler auf Rügen. Sie spazierten über die neu angelegte Strandpromenade und (ab 1902) die frisch gestaltete Seebrücke, sie trafen sich im Kurhaus und erfreuten sich an den infrastrukturellen Maßnahmen wie etwa den neuen Straßen und Wegen sowie dem Anschluss an das Kleinbahnnetz, das vorerst zwischen Putbus und Binz bestand. Und ganz wichtig für die badefreudigen Rügen-Besucher: Ihnen standen am Strand von Binz zwei Badeanstalten zur Verfügung, eine für Damen und eine für Herren; erst 1908 waren die Sitten so weit gelockert, dass ein Familienbad entstand. Und sie alle verschwanden in den späten 20er Jahren vom Binzer Strand, weil das gemeinsame Herzumtollen im Meer nicht mehr als unanständig galt.

Sehenswürdigkeiten im Seebad Binz auf Rügen

Zwei Elemente bringt man meist mit den Seebädern derOstseeküste in Verbindung: eine Seebrücke und die Bäderarchitektur. Beides ist in Binz auf Rügen ebenfalls vorhanden.

Die Seebrücke von Binz, wie sie sich heute den Besuchern präsentiert, ist bereits das dritte Bauwerk seiner Art. Das erste entstand im Jahr 1902. So wie die Stege in anderen Orten diente auch die Seebrücke in Binz in erster Linie als Schiffsanleger; die Möglichkeit zum Flanieren war ursprünglich nicht beabsichtigt. Aber selbstverständlich fanden sich regelmäßig zahllose Spaziergänger und Schaulustige ein, um zu sehen und gesehen zu werden.

Das frühe Bauwerk auf Rügen maß stolze 560 Meter und besaß am Ende sogar ein Restaurant. Leider fiel es schon wenige Jahre nach der Einweihung, nämlich anNeujahr 1905, einer Sturmflut zum Opfer. Auch dem Neubau war kein großes Glück beschert: Im Jahr 1912 stürzten Teile davon bei einem unglücklichen Schiffsmanöver ein und rissen 50 Menschen ins Wasser, einige kamen ums Leben. Die nur notdürftigen Reparaturen hielten bis zum Jahr 1942, als das verwitterte Holz durch Eis und schwere See endgültig barst. Das Unglück von 1912 hatte immerhin die positive Konsequenz, dass sich im Folgejahr eine Mannschaft der DLRG am Strand von Binz auf Rügen etablierte.

Die heutige Konstruktion der Seebrücke von Binz ist mit einer Länge von 370 Metern immer noch eine der längsten auf Rügen. Sie besticht durch interessante bauliche Details, ist indessen insgesamt sehr schlicht gehalten. Heute reisen die Urlaubsgäste zwar über den Rügen-Damm und die Rügen-Brücke an, aber der Seesteg von Binz dient mittlerweile als An- und Ablegestelle für die vielen Ausflugsfahrten. Die Bauarbeiten begannen bereits 1990 und waren vier Jahre später beendet, als es zur großen Einweihung kam. Seither feiern die Bewohner von Binz mit ihren Gästen jeweils im Juni ein zweitägiges Seebrückenfest, zu dem regelmäßig auch viele Auswärtige erscheinen.

Die Bäderarchitektur im Seebad Binz unterscheidet sich nur unwesentlich von der in den anderen Badeorten auf Rügen. Sie ist gekennzeichnet durch den Wunsch zu repräsentieren – schließlich zählten im ausgehenden 19. und ganz frühen 20 Jahrhundert, als diese Bauten entstanden, nur wohlhabende und hochgestellte Persönlichkeiten (oder die sich dafür hielten) zu den Sommerfrischlern auf Rügen. Die Häuser sind somit reich verziert mit vielen Erkern, Türmchen und Simsen. Auch ganze Partien treten aus der Häuserfront vor. Freitreppen, große Fenster und Portale, verschnörkelte Geländer und Brüstungen – all das verströmt ein mondänes Flair.

Im Seebad Binz auf Rügen stehen die Häuser im Stil der Bäderarchitektur vorwiegend an der Strandpromenade. Aber auch in verschiedenen Nebenstraßen lassen sich die verschnörkelten Bauten bewundern. Während in vielen anderen Orten auf Rügen und außerhalb viele Häuser dieser Bauweise mit farbigen Elementen verziert sind, erstrahlen sie im Seebad Binz fast ausnahmslos in reinem Weiß. Der September ist in Binz auf Rügen übrigens der Monat der Bäderarchitektur. Auf Führungen, bei Spielen und in Quiz-Veranstaltungen erfahren die Besucher interessante Details über diese spannende Bauweise, die uns nach wie vor in ihren Bann zieht.

Die Strandpromenade von Binz auf Rügen existiert bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Fast zeitgleich entstanden das Strandhotel sowie etliche Villen und Pensionen im Stil der Bäderarchitektur. Denn was heute besonders populär ist, war damals nicht weniger angesehen: mit Meerblick zu residieren.

Die alte Strandpromenade erfuhr im Laufe ihres Bestehens etliche Renovierungs-  und andere Baumaßnahmen – die letzte 1993 mit der Verlängerung auf stolze 3,2 Kilometer in Richtung Prora. Im Zuge dieser Arbeiten ersetzte man die von Schädlingen befallenen Ulmen durch Linden und gestaltete den Kurplatz als zentralen Treffpunkt der Feriengäste neu. Jetzt besitzt er einen Konzertpavillon für die regelmäßigen musikalischen Veranstaltungen und verglaste Wandelhallen.

Entlang der Strandpromenade geben sich in den Sommermonaten etliche Handwerker und Künstler ein Stelldichein. Vor den Augen der Spaziergänger schaffen sie in pittoresken blau-weißen Buden kleine und größere Kostbarkeiten insbesondere aus den Bereichen Schmuck, Dekoration und Textiles. Kunstwerke ganz anderer Dimension gibt es ebenfalls an der Binzer Strandpromenade zu bewundern: Mehrere riesige Menschengestalten sehen von den Dünen auf die Ostsee vor Rügen hinaus. Sie sind aus Sandstein gehauen und stammen von verschiedenen deutschen, polnischen und lettischen Künstlern, die sie anlässlich des ersten Ostsee-Pleinair geschaffen haben.

Das Kurhaus von Binz auf der Insel Rügen blickt ebenfalls auf eine lange Geschichte zurück. Entsanden ist es durch die Initiative einiger Bankiers, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, Binz zu mehr Ansehen zu verhelfen. Dazu gründeten sie die Ostseebad Binz AG, aus deren Mitteln das Kurhaus entstehen konnte. Bereits kurz nach seiner Eröffnung im Juli 1890 war die AG am Ende, aber das Binzer Kurhaus erstrahlte in all seinem Glanz.

Es wirkt beinahe wie ein kleines Schloss und bildet in etwa den Mittelpunkt des Seebades Binz. Selbstverständlich an der Strandpromenade und ganz nahe bei der Seebrücke gelegen  gilt es als ein Wahrzeichen von Binz. Die beiden rot gedeckten Ecktürme und der schmalere Mittelturm mit dem Grünspan sind ebenso Zeichen der berühmten Bäderarchitektur wie die stark aufgelockerte frontale Fassade. Sogar das Dach entspricht in seiner durch kleine Gaubenfenster aufgelockerten Ansicht den Elementen der seinerzeit so beliebten Bauweise. Und der Glasanbau, in dem sich heute ein Café befindet, fügt sich harmonisch in das Gesamtbild.

Anders als die meisten Gebäude im Stil der Bäderarchitektur im Seebad Binz ist das Kurhaus nicht schneeweiß, sondern mit gelben Flächen unterbrochen. Dadurch wirkt es besonders strahlend und lebhaft.

Das Kurhaus erfuhr dasselbe Schicksal wie die meisten anderen Häuser auf Rügen: In den 1920er Jahren war es Treffpunkt der High Society, die dort feierte und sich amüsierte. Die Nazis enteigneten gut eine Dekade später den nicht arischen Eigentümer – der Zweite Weltkrieg legte ohnehin den Tourismus lahm. Aber wie durch ein Wunder hatte das Kurhaus alle Wirren und Angriffe unbeschadet überstanden. Leider konnte sich der zuvor vertriebene Eigentümer nicht lange an seinem Besitz erfreuen, denn die Zwangskollektivierung des DDR-Regimes brachte ihn erneut um seinen Besitz und ihn selbst unter fadenscheinigen Vorwänden ins Gefängnis.

In den 1960er Jahren lief der touristische Betrieb auf Rügen auch im Binzer Kurhaus wieder an – das DDR-Reisebüro leitete den Betrieb und bewirtschaftete ihn auch. Seit der Wende schließlich ist das ehemalige Kurhaus von Binz ein Hotel der Extraklasse. Es darf sich rühmen, das erste mit 5 Sternen Superior zu sein, und zwar nicht nur auf der Insel Rügen, sondern in ganz Mecklenburg-Vorpommern.

Die evangelische Dorfkirche von Binz ist ein attraktiver Bau aus den Jahren 1911 bis 1913. Das neugotische Gotteshaus wirkt eher schlicht, findet indessen bei der Bevölkerung von Rügen und den Feriengästen regen Zuspruch. Die katholische Kirche Stella Maris in Binz entstand in den 1920er Jahren, als ein Wiener Professor auf der Insel Rügen ein katholisches Kinderheim gründete. Die Kirche selbst ist ein ganz schlichter Bau: eine weiß verputzte Halle mit Stufengiebel. Nach der politischen Wende wurde dieses dekorative Gotteshaus zu klein, sodass es einen runden Anbau erhielt.

Die Umgebung des Seebades Binz auf Rügen

Wer das Seebad Binz auf Rügen besucht, findet in der hübschen Ortschaft reichlich Abwechslung. dennoch besuchen viele Urlauber auch interessante Ziele der Umgebung. Vom Anleger auf der Binzer Seebrücke aus lassen sich etliche Ziele per Schiff ansteuern. Andere  sind dagegen über Land zu erreichen. Denn das Hinterland von Binz bietet einzigartige Einblicke in die großartige Landschaftsvielfalt Rügens.
Das Seebad Binz ist in einer einzigartigen Lage auf Rügen entstanden. Im Osten das Meer mit dem feinen weißen Sandstrand zieht selbstverständlich vor allem im Sommer zahllose Feriengäste an. Im Süden erstreckt sich die Granitz mit ihrem dichten Buchenbestand – zu allen Jahreszeiten von enormem Erholungswert. Die im Norden gelegene Heidelandschaft erlaubt ebenfalls ausgedehnte Spaziergänge. Und der Schmachter See im Westen schließlich ist nicht nur ein einzigartiges Naturparadies, sondern bietet auch herrliche Spazier- und Wandermöglichkeiten.
Der Schmachter See auf Rügen gehörte früher noch zum Meer. Durch Verschlammungen, Sandanspülungen und die Entstehung der Nehrung Schmale Heide ist er mittlerweile zu einem eigenständigen Gewässer geworden – selbstverständlich mit Süßwasser. Der Schmachter See verfügt über keinen direkten Zufluss, sondern lediglich über einen Abfluss und speist sich ausschließlich aus den Niederschlägen über der Insel Rügen und einigen Sickerquellen an den umliegenden Hügeln. Daher nimmt er kontinuierlich an Fläche und auch an Tiefe ab. Derzeit hat er eine Ausdehnung von gut einem Quadratkilometer und ist nicht tiefer als maximal zwei Meter.
Aber der Schmachter See ist ein einzigartiges und streng geschütztes Naturparadies – eins von vielen auf der Insel Rügen. Hier leben zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, von denen einige sogar stark bedroht sind. Sie finden an den sumpfigen und verschilften Ufern beste Lebensbedingungen.
An der Grenze zum Seebad Binz gibt es die Schmachter-See-Promenade. Zudem befindet sich hier der Park der Sinne, eine herrliche Grünanlage mit vielfältigen Attraktionen.
Die Granitz ist für sich allein bereits eine kleine Sensation: Das knapp zehn Quadratkilometer große Waldstück ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen und zählt zum Biosphärenreservat Südost-Rügen. Besucher können den Buchenwald erwandern oder auch mit dem Fahrrad erkunden. Infos gibt es im Granitzhaus, einem ehemaligen Forst- und Gasthaus aus dem Jahr 1726.  Dem Gebäude gegenüber steht auf einem 107 Meter hohen Hügel das Jagdschloss Granitz, das sich Fürst Malte I. zu Putbus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichten ließ. Mit seinem rechteckigen Grundriss, den vier Ecktürmen mit den symmetrisch angebrachten Zinnen und dem hellen Putz ähnelt es ein wenig den Renaissancekastellen Norditaliens. Der prachtvolle Bau erfreute sich bald in den europäischen Adelskreisen großer Beliebtheit; dazu trug wohl auch die reizvolle Landschaft der Insel Rügen insgesamt bei. Heute dient er als Museum.
Eine bauliche Besonderheit weist das Jagdschloss Granitz auf: In der Mitte des Gebäudes ragt ein Turm empor, den der renommierte Architekt Karl Friedrich von Schinkel erst später errichtete. Er erhebt sich über dem ehemaligen Hofraum 38 Meter in die Hohe und besitzt innen eine Wendeltreppe, die passgenau an die Wände angeglichen ist. Wer die insgesamt 154 gusseisernen Stufen hochgeklettert ist, kann aus 145 Metern Höhe einen großartigen Rundblick über die Insel Rügen genießen.
Recht nahe bei Binz, und zwar nördlich, befindet sich das Seebad Prora. Derzeit ist es weit davon entfernt, jemals den Status eines Seebades zu erlangen. Aber der riesige Komplex mit insgesamt 10.000 Zimmern stammt aus der Nazizeit, als die Oberen hier an Rügens Küste eine KdF-Ferienanlage errichten wollten. Das äußere des knapp fünf Kilometer langen Bauwerks ist vollendet, auch einige Zimmer sind erhalten. Insgesamt ist der Koloss aber in einem recht schlechten Zustand. Daran konnten auch diverse Initiativen nie etwas ändern. Jugendherberge, Hostel, Museumsmeile, Zentrum für gemeinnützige Einrichtungen, Schulungsorte – die bislang in Betracht gezogenen und teils auch durchgeführten Maßnahmen hatten alle keinen durchschlagenden Erfolg.

Bei der künftigen Verwendung der insgesamt sechs Blöcke fallen verschiedene Faktoren erschwerend ins Gewicht. Die lange Häuserkette ist zwar in einzelne Bauten unterteilt, allerdings hängen sie dennoch alle zusammen und bilden letztlich eine Einheit. Darüber hinaus muss der jeweilige neue Eigentümer die Vorschriften des Denkmalschutzes beachten. Und zudem hat sich das Land Mecklenburg-Vorpommern dazu entschlossen, die einzelnen Teile separat zu veräußern. Aus diesem Wirrwarr an vertraglichen, gesetzlichen und individuellen Vorgaben ein harmonisches Ganzes zu formen, scheint nahezu aussichtslos. Immerhin hat im Juni 2011 im Eckhaus eine Jugendherberge eröffnet. die rein äußerlich den Bauten eines Seebades gleicht und auch im Inneren modernen Standards entspricht.

Das Seebad Sellin auf Rügen

Das Seebad Sellin auf Rügen wiest einige geografische Besonderheiten auf: Umgeben von den dichten Buchenwäldern der Granitz grenzt es im Osten ans Meer und im Westen an den Selliner See. Der jedoch ist gekennzeichnet durch einen recht niedrigen Salzanteil. Dadurch haben sich hier ausgefallene Tiere und Pflanzen angesiedelt, die nur in diesem ganz speziellen Klima bestehen können.

Die Entwicklung von Sellin auf Rügen zum Seebad

In Sellin auf Rügen hielt der Fremdenverkehr relativ spät Einzug: Erst im Jahr 1887 entstand ein erstes Hotel. Wenig später formte sich die heutige Wilhelmstraße, also die Zuwegung zum Außenstrand, als üppige Allee mit hübschen seitlichen Fußwegen. Und daran schließlich siedelten sich mehr und mehr Eigentümer prachtvoller Villen an, die entweder eine komfortable Residenz für Ihre Sommerfrische besitzen wollten oder aber in Pensionen oder Hotels zahlende Gäste beherbergten.

Und schon 1894 nahm das Warmbad am Nordstrand seinen Dienst auf – in kupfernen Badwannen konnten sich die Urlauber im temperierten Meerwasser aalen. Die eigentlichen Badeeinrichtungen an der Ostsee machten einen eher spartanischen Eindruck. Und – für andere Seebäder undenkbar – Damen und Herren nutzten sie gemeinsam! Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts teilte man diesen Bereich kurzzeitig nach Geschlechtern auf.

Noch im 19. Jahrhundert legte man den malerischen Kurpark mit dem hübschen Springbrunnen an; und es gab sogar einen Tennisplatz.

In dieser frühen Zeit des Tourismus mussten die Gäste per Bahn nach Stettin reisen und dort in Schiffe umsteigen. Da die Seebäder Rügens weder Häfen noch geeignete Schiffsanleger besaßen, waren die Fischer Sellins dazu ausersehen, die Sommerfrischler mit ihren Booten am Schiff abzuholen und zur Küste zu rudern. Dies war jedoch für die vornehme Klientel recht unbequem, und im Jahr 1906 entschied man sich zum Bau der Seebrücke, die heute in ihrer ganzen Pracht als Wahrzeichen des Seebades Sellin auf Rügen gilt.

Während der Nazizeit durften ausschließlich regimetreue Bürger nach Rügen reisen. Ebenso, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen, zu Zeiten der DDR. Diese Jahrzehnte waren zudem von den Enteignungen und Zwangskollektivierungen geprägt, die jegliches individuelle Engagement zunichte machten. Zudem setzten die Verantwortlichen kaum Mittel für den Erhalt oder gar den Ausbau der Infrastruktur oder für Renovierungsmaßnahmen ein.

So kam es, dass nach der politischen Wende ein wahrer Bauboom einsetzte. Die leicht verfallenen Villen erhielten ihr ehemals strahlend-üppiges Aussehen wieder, die Hotel- und Pensionszimmer wurden den geänderten, weil gestiegenen Ansprüchen der Gäste angepasst, und zahlreiche Geschäfte und Gastronomiebetriebe öffneten ihre Pforten. Im Südosten von Sellin ist in diesen Jahren ein komplett neuer Ortsteil entstanden, in dem sich hauptsächlich Ferienwohnungen befinden.

Mittlerweile hat sich das Seebad Sellin auf Rügen zu einem äußerst populären Ferienort entwickelt, und das zu allen Jahreszeiten.

Sehenswürdigkeiten im Seebad Sellin auf Rügen

Das beherrschende Bauwerk des Seebads Sellin auf Rügen ist ohne Zweifel die fast 400 Meter lange Seebrücke mit dem charakteristischen Gebäudekomplex am Übergang vom Land zur See.

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Darin ist inzwischen ein Restaurant untergebracht; zudem befindet sich hier ein Trauzimmer für ganz romantische Brautpaare. Die Seebrücke in ihrer jetzigen Form stammt aus der Nach-Wendezeit; die Eröffnung fand im Jahr 1998 statt. Der Neubau lehnt sich eng an die Vorbilder der ersten beiden Seebrücken von Sellin an. Sie waren mit über 500 Metern zwar länger als das jetzige Bauwerk. Dieses dürfte aber stabiler konstruiert sein und auch besser gewartet werden.

Die erste Selliner Seebrücke entstand 1906 und hielt nur bis 1920, als ein Brand die Holzkonstruktion zerstörte. Der Neubau fiel zu großen Teilen den gewaltigen Eismassen des Winters 1941/ 42 zum Opfer. In den Überresten, also dem Brückenhaus, fanden in den ersten zwei Jahrzehnten der DDR Tanzveranstaltungen statt, denen das ohnehin morsche Fundament nicht standhielt. Die gesamte Konstruktion musste demnach abgerissen werden.

Wenn das Gebäude auch nicht im Originalzustand erhalten ist, versprüht es doch den Charme vergangener Zeiten. Die Türmchen auf den geschwungenen Dächern, die Erker und die großzügigen Fensterfronten sind ganz im Stil der damals so populären Bäderarchitektur gearbeitet.

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Diese Stilrichtung, die genau genommen ein Stilmix ist aus Jugendstil, Neobarock und allem, was gefällt, findet sich vorwiegend an den Prunkbauten der Wilhelmstraße von Sellin. Sie gilt als die Hauptstraße des Seebades und entstand – eine Besonderheit auf Rügen – speziell für die Feriengäste. Die Sommerfrischler sollten sich schließlich in Sellin wohlfühlen und dieses Seebad den übrigen Badeorten auf Rügen vorziehen. Zudem war es notwendig, dass sie bequem zum Strand gelangen konnten. Zuvor hatte es lediglich eine Art Feldweg gegeben. Und daraus wurde innerhalb weniger Jahre ab dem Ende des 19. Jahrhunderts eine wahre Prachtmeile. Leider entschieden sich einige Hauseigentümer der 1920er und 30er Jahre dazu, die Fassaden ihrer reich verzierten und üppig geschmückten Villen zu begradigen, weil der Zeitgeist alles Moderne favorisierte und alles Alte als überkommen ablehnte. Aber seit der Wende hat sich die Bevölkerung wieder auf die Historie besonnen und mit großem Einsatz die früheren Ansichten wiederhergestellt.

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Die Wilhelmstraße präsentiert sich seither als Straße, die deutlich das Flair vergangener Epochen verströmt. Dennoch: Auch die Moderne hat hier Einzug gehalten. Zwischen den hochherrschaftlichen Villen befinden sich Modeboutiquen und Cafés, Geschäfte mit Lebensmitteln, Souvenirs  und Schmuck, Bistros – eben alles, was einen Stadtbummel angenehm macht.

Wer die Wilhelmstraße bis zum Ende geht, findet sich oberhalb des Strands wieder und zwar bei der legendären Seebrücke. Nach unten gelangt man über die sogenannte Himmelsleiter, eine recht steile Treppe, oder weitaus komfortabler mit einem Aufzug. Für die meisten anderen Badeorte auf Rügen war ein solcher Aufwand nicht nötig, weil sie sich auf gleicher Höhe mit dem Meer befinden. Aber gerade diese Besonderheit trägt ebenfalls zum Reiz des Seebades Sellin  bei.

Bei der Selliner Seebrücke gibt es eine Tauchgondel. Dabei handelt es sich um ein pilzförmiges Gebilde, dessen Stamm nach oben und unten fahren kann. Die Gäste sitzen bequem und trocken im oben offenen Inneren. Auf diese Weise muss niemand mit geänderten Druckverhältnissen kämpfen. Theoretisch soll man einen herrlichen Blick auf die Unterwasserwelt haben. Da jedoch gerade in Ufernähe das Meer recht trübe ist, führt man kurzerhand einen 3D-Film vor.

Die Tauchgondel im Seebad Sellin erfreut sich seit der Inbetriebnahme im September 2008 großer Beliebtheit. Bislang ist es die einzige ihrer Art auf Rügen.

Seit 1999 gibt es in der Granitzer Straße in Sellin ein Bernsteinmuseum. Es gibt einen informativen Einblick in die Entstehung dieses viele Millionen Jahre alten kostbaren Baumharzes. Zum Museum gehört auch eine Werkstatt. Der Juwelier lässt sich bei seiner Arbeit gerne über die Schulter sehen. Das Bernsteinmuseum im Seebad Sellin ist übriges das einzige auf Rügen.

Die Umgebung von Sellin auf Rügen
Wer sich im Seebad Sellin ein wenig in Richtung Osten hält, gelangt automatisch zum Selliner See. Er ist indirekt mit dem Greifswalder Bodden verbunden, wobei dessen Zuflüsse zu unbedeutend sind, als dass es sich um einen echten Salzwassersee handeln würde. Im Gegenteil: Der Salzgehalt ist so gering, dass sich hier eine einzigartige Vegetation und Tierwelt ansiedeln konnte, wie man sie sogar auf Rügen nur selten antrifft.

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Sehr interessant sind die bestens ausgeschilderten Radwege, die über einige Seebäder und durch dichte Wälder bis hin zum Selliner See führen. Auf diese Weise lernt der Fahrradtourist ein ganz besonderes Stück Rügen kennen.

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Ebenfalls von Sellin aus zu erreichen ist der Schwarze See. Er liegt mitten im Waldgebiet der Granitz und ist besonders nährstoffarm. Die Uferstreifen bestehen aus Mooren; entsprechend außergewöhnlich gestaltet sich die Vegetation: Rosmarinheide, Wollgräser und Moosbeeren sind nur einige der Pflanzen, die das Herz von Botanik-Freunden höherschlagen lassen.
Der sensible Bereich des Schwarzen Sees sowie ein 100 Meter breiter Streifen rundherum gehören als Kernzone, also als Totalreservat, die weitestgehend vor menschlichen Einflüssen geschützt ist, zum Biosphärenreservat Südost-Rügen. Trotz dieses strengen Schutzes können Radler und Wanderer über einen ausgewiesenen Weg zum Schwarzen See gelangen und sogar den aufs Wasser hinausführenden Holzsteg betreten.

Das Seebad Baabe auf Rügen

Das Ostseebad Baabe ist das nördlichste der drei bedeutenden Seebäder auf der Halbinsel Mönchgut, die den südöstlichen Teil von Rügen ausmacht. Weiter in dieser Richtung befindet sich das Seebad Göhren und schließlich ganz im Süden das Ostseebad Thiessow. Das ist zwar nicht der südlichste Punkt des gesamten Rügen, aber immerhin der Halbinsel Mönchgut.

Diese drei Seebäder sind durch einen langen, feinsandigen Strand miteinander verbunden. Er führt weiter in Richtung Norden zu den Seebädern Sellin und Binz.

Diese Halbinsel ist durch den Mönchgraben vom Gebiet um die Granitz abgetrennt. Dabei handelt es sich um eine mittelalterliche Wehranlage mit einem Wall und einem Graben. Sie war ursprünglich 1,5 Kilometer lang und verlief vom Selliner See bis zur Ostsee. Die genaue Bedeutung des Mönchgrabens ist bis heute nicht ganz geklärt.
Das Seebad Baabe liegt inmitten einer zauberhaften Rügener Landschaft. Die Ostsee ist naturgemäß der stärkste Publikumsmagnet. Aber auch die harzreichen Wälder der Baaber Heide ziehen regelmäßig viele Erholungssuchende an.

Die historische Entwicklung des Seebades Baabe auf Rügen

Die Entwicklung zum Seebad setzte in Baabe erst vergleichsweise spät ein, viel später jedenfalls als in anderen prominenten Seebädern auf Rügen. Und auch heute noch hat sich die kleine Ortschaft viel von ihrem ursprünglichen schlichten Charme erhalten.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein war Baabe ein winziger Flecken mit einem Bauernhof und einigen umliegenden Häusern. Zwar kamen um 1895 bereits einige Badegäste nach Baabe, und es gab auch eine schlichte Badeanstalt mit einem Steg. Aber der Schwerpunkt der Erwerbs lag zu dieser Zeit, als sich anderswo auf Rügen bereits die Sommerfrischler tummelten, noch auf Landwirtschaft und Fischfang.

Erst kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges entstanden Damen-, Herren- und Familienbad. Die 1920er Jahre waren entscheidend für das spätere Gesicht des Seebades Baabe. Die Verantwortlichen ließen die Allee zur Ostsee anlegen, eine bescheidene Seebrücke entstand, damit die Gäste bequemer an- und abreisen konnten, und die Gemeinde- und Kurverwaltung bezog ein neues Gebäude in der Strandstraße, dessen Therapieeinrichtungen heute auf dem neuesten Stand sind.

Diese Investitionen lohnten ganz offenkundig. denn die 500 Einwohner Baabes beherbergten zum Ende der 1920er Jahre immerhin 3.000 bis 4.000 Badegäste pro Jahr.

Die erste Seebrücke hielt jedoch nur wenige Jahre: 1932 baute man eine zweite, die aber in dem eisigen Winter 1941/ 42 der gefrorenen Ostsee nicht standhalten konnte. Bis heute konnte man sich nicht zum Bau einer endgültig neuen entscheiden.

Während der Jahre des NS-Regimes und speziell während des Zweiten Weltkrieges war Baabe ein beliebtes Zentrum der Kinderlandverschickung auf Rügen. In der DDR-Zeit verkümmerte der Tourismus zusehends, zumal auch hier die Aktion Rose, also die Zwangsenteignung privater Hotel- und Pensionsbetreiber stattfand. Erst nach der politischen Wende begannen intensive Baumaßnahmen, die nicht nur den Gebäuden wieder ihren ursprünglichen historischen Charme verliehen, sondern auch die gesamte Infrastruktur deutlich verbesserte.

Heute besuchen hauptsächlich solche Urlauber das Seebad Baabe, die sich an den faszinierenden Landschaften Rügens erfreuen wollen, die aber ein wenig abseits des eigentlichen Touristenstroms ihre Ferien verbringen möchten.

Sehenswürdigkeiten des Seebades Baabe auf Rügen

Das Seebad Baabe bezaubert mit seinen wunderschönen Gebäuden, die ganz im Stil vergangener Epochen restauriert oder auch neu errichtet sind. Besonders die reetgedeckten Häuser wirken in der heutigen Hektik fast ein wenig verwunschen. Der alte Ortskern, der 1913 den Grundstein für die heutige Bedeutung des Seebades legte, ist auch heute noch relevant bei allen baulichen Projekten. Damals war die eigentliche Zeit der Bäderarchitektur zwar bereits fast vorbei, aber dennoch finden sich auch in Baabe auch Rügen etliche Gebäude in diesem Stilmix aus Neobarock und Jugendstil.

Die heutige Strandstraße ist zweifellos eine Prachtallee. In den 1920er Jahre erbaut erinnert sie in ihrem ganzen Erscheinungsbild nach wie vor an diese faszinierende Epoche. Dennoch hat die Moderne Einzug gehalten. Wunderhübsche Geschäfte aller Art, Cafés, Restaurants, Bars – hier zu flanieren macht einfach Spaß.
Der Bau der Baaber Dorfkirche ebenfalls in den 1920er Jahren geht auf die Initiative eines Kurgastes zurück, der zumindest die Pläne zeichnete. Zuvor hatte es lediglich Freiluftgottesdienste in Baabe gegeben. An diese Tradition erinnert heute die Außenkanzel der hübschen Kirche. 1930 war das kleine Schmuckstück fertig. Noch heute versprüht es einen eigenwilligen Charme, wie er bei Gotteshäusern auf Rügen nicht oft anzutreffen ist. Die Spitzbogenfenster und der gesamte Bau sollen an ein Schiff erinnern, das kieloben liegt. Aus diesem Umstand mag jeder die ihm genehme Interpretation filtern.
Das Mönchguter Küstenfischermuseum existiert erst seit 2001. Es gibt einen interessanten  Einblick sowohl in die Fischerei als auch in die Kunst des Bootsbaus. Beides war in der Region um Baabe wie überhaupt auf Rügen weit verbreitet und diente sehr lange dem alleinigen Lebensunterhalt.

Die Umgebung des Seebades Baabe auf der Insel Rügen

Der hübsche Erholungsort Lancken-Granitz liegt zwar näher an den Seebädern Sellin und Binz, gehört aus Verwaltungssicht jedoch zum Seebad Baabe auf Rügen.
Mit nur 300 Einwohnern hat sich in Lancken-Granitz das ursprüngliche Leben erhalten. Und genau das ist es, was so viele Urlauber anzieht. Fernab der teilweise überlaufenen Touristenorte in der beschaulicher Ruhe Rügens seine Ferien verbringen – das begeistert längst nicht mehr ausschließlich Großstädter. Und die kleine Ortschaft mit den vielen reetgedeckten Häusern, in denen beinahe ausnahmslos Zimmer oder Ferienwohnungen für die Touristen bereitstehen, bietet dennoch gemütliche Cafés und Restaurants mit sehr guter Küche. Zudem ist man innerhalb weniger Autominuten in den ganz angesagten Seebädern der Insel Rügen.
Archäologisch Interessierte kommen ebenfalls in Lancken-Granitz auf ihre Kosten. Denn hier befinden sich gleich sieben der insgesamt etwa 70 Großsteingräber von Rügen. Die Untersuchungen fanden hauptsächlich in den 1970er Jahren statt. Fundstücke wie etwa Steinwerkzeuge erzählen von der ganz frühen Besiedelung Rügens. Aber auch Schmuckstücke aus Bronze kamen bei den Ausgrabungen zutage.
Nicht so alt, aber nicht weniger interessant ist die kleine Kirche von Lancken-Granitz. Denn sie stammt aus dem 15. Jahrhundert. Ihre Erbauer haben sich der alten Tradition angepasst, indem sie das Gotteshaus aus Backsteinen und Findlingen errichteten.

Das Seebad Göhren auf Rügen


Das Ostseebad Göhren liegt nicht nur am östlichsten Punkt der Halbinsel Mönchgut, sondern auch am östlichsten der Insel Rügen. Gewiss, der sogenannte Nordperd hat nicht die Berühmtheit von Kap Arkona im Norden erlangt. Aber dennoch weisen die Verantwortlichen in Göhren gerne auf diese exponierte Lage hin.

Bereits seit 1878 darf Göhren den Titel eines Rügener Ostseebades führen und ist damit sehr früh im Vergleich mit seinen Konkurrenten. Und das trotz der eher bescheidenen Einwohnerzahl von gut 200 Menschen. Wenige Jahre später entstand auf Initiative einer Hofdame der Kaiserin das erste Seemannsheim – das erste nicht nur auf Rügen, sondern sogar weltweit.

Das DDR-Regime erkannte ebenfalls die Schönheit des Seebades, das vor allem an einem sehr günstigen Punkt der Insel Rügen liegt: Von hier aus wäre eine Flucht in den Westen kaum machbar. So entstanden in den 1960er Jahren vieleUrlaubsunterkünfte, schlicht zwar, aber sehr beliebt. Und mitten in den Dünen gab es sogar einen großen Zeltplatz, der noch heute existiert. Zu Beginn der 70er Jahre hatte das Seebad Göhren fast 1.800 Einwohner und 4.400 Gästebetten – aus Sicht heutiger Touristenorte ein fast lachhaft ungünstiges Verhältnis, denn inzwischen beherbergen die populären Gemeinden nicht nur auf Rügen ein Vielfaches an Gästen, gemessen an der Einwohnerzahl.

Sehenswürdigkeiten im Seebad Göhren auf Rügen

Naturgemäß ist es in einem Seebad in allererster Linie das Strandleben, das die Feriengäste in ihren Bann zieht. Das ist in Göhren nicht anders als sonst wo auf Rügen oder den übrigen Küsten- und Inselorten. Das Seebad Göhren verfügt über gleich zwei Strandabschnitte mit einer Gesamtlänge von fünf Kilometern.

Das eigentliche Leben spielt sich am Nordstrand ab. Er ist bis zu 30 Meter breit und hat feinsten weißen Sand. Das gesamte Terrain fällt sehr sanft ins Meer ab, was besonders für kleine Kinder gut geeignet ist. Sie stehen jedoch, wie natürlich alle anderen Badegäste auch, unter der gestrengen und sorgfältigen Aufsicht der DLRG. Am Nordstrand gibt es viele Möglichkeiten zum  Wassersport, außerdem können die Gäste ihren Hunger und Durst gleich vor Ort stillen.

Der Südstrand ist ein wenig schmaler und mit ein paar Steinen bedeckt. Dennoch kann man auch hier herrlich unbeschwerte Stunden verbringen. An den Südstrand ziehen sich vor allem diejenigen zurück, die sich nicht inmitten des Trubels aufhalten möchten.

Die Seebrücke von Göhren auf Rügen ist bereits das dritte Bauwerk seiner Art in Göhren. Das erste entstand im Jahr 1898 am Südstrand und maß stolze 1002 Metzer, von denen indessen ein großer Teil an Land verlegt war. Im Ersten Weltkrieg fiel die Holzkonstruktion dem Abriss zum Opfer. Bis in die 1950er Jahre hinein existierte eine halb so lange am Nordstrand, die dann auch nicht mehr zur Benutzung dienen sollte. 1993 entstand schließlich die jetzige Seebrücke mit einer Länge von insgesamt 350 Metern, von denen jedoch nur 270 Meter aufs Wasser hinausführen.

Die Göhrener Seebrücke ist ein sehr beliebter Treffpunkt der Urlauber. Von hier aus hat man nicht nur den allerbesten Blick auf die Ostsee und die herrliche Umgebung, sondern am Ende legen auch die Ausflugsdampfer zu interessanten Fahrten ab.

Das Seebad Gören auf Rügen wurde im Jahr 1913 selbstständige Kirchengemeinde. Ein eigenes Gotteshaus bekam es aber erst 1930. Ein Jahr zuvor wurde der Grundstein für die einschiffige Saalkirche gelegt. Die beiden Türme sind weithin sichtbar. Das Kircheninnere ist maritim gestaltet: So sind etwa Maria und Johannes in der Kreuzigungsgruppe in der Mönchguter Fischertracht dargestellt. Und das Votivschiff ist die Bark eines Göhrener Bootsbauers aus dem Jahr 1913.

Neben diesem sehr schönen Gotteshaus liegt Speckbusch, ein Hügelgrab aus der Bronzezeit. Es befindet sich auf einer eiszeitlichen Moränenkuppe und ist mit Steinen befestigt. Mit einem Durchmesser von drei und einer Höhe von fünfzehn Metern hat das Hügelgrab recht beachtliche Ausmaße und zählt zu den größeren auf Rügen.

Um die Museen im Seebad Göhren zu besuchen, sollten die Feriengäste nicht extra einen Regentag abwarten. Denn von den insgesamt acht Mönchguter Museen liegen allein vier in dem kleinen Ort auf Rügen.

Beim Museumshof handelt es sich um eine Hofanlage mit Gebäuden aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Zudem geben Exponate wie etwa Handwerksutensilien einen interessanten Einblick in den Alltag der Bauern, die zugleich Fischer waren und sich zudem im Hausbau auskannten.

Das Heimatmuseum befindet sich in einem ehemaligen Lotsen-, Fischer- und Bauernhaus. Es dokumentiert das Leben auf der Halbinsel Mönchgut und speziell in Göhren von den allerersten Anfängen bis ins Jetzt hinein.

Das Rookhus ist ein kleines Häuschen, in dem sich früher das Leben der untersten Bevölkerungsschicht abspielte: Tagelöhner, Kleinbauern und Fischer mussten auf beengtestem Raum – sogar zusammen mit ihrem Vieh – ihr Dasein fristen.

Beim Museumsschiff Luise handelt es sich um den ehemaligen Küstenfrachter, der lange Zeit hindurch die Bevölkerung mit allem Notwendigen versorgte. Bei der Besichtigung und angesichts der vielen Zubehörteile bekommt der Besucher schnell den Eindruck von dem schweren und harten Dasein in vergangenen Epochen.

Die Umgebung des Seebades Göhren auf Rügen

Das Seebad Göhren liegt in unmittelbarer Nähe des Nordperd, des östlichsten Teils der Insel Rügen. Dabei handelt es sich um eine spitz zulaufende Landzunge, die weit ins Meer hineinreicht. Sie ist dicht mit Bergahorn und Eschen bewaldet und bietet allein deshalb beste Erholungsmöglichkeiten bei Spaziergängen und Fahrradtouren. Zudem gehört der Nordperd zum Naturschutzgebiet Mönchgut. Das steil abfallende Kliff ist inzwischen befestigt, damit es nicht den üblichen Erosionen und Stürmen zum Opfer fällt.

Von dieser Ostspitze der Insel Rügen aus hat man einen herrlichen Blick nicht nur über weite Teile des Landes, sondern auch auf die Ostsee hinaus. Ein wenig östlich sieht man in etwa 300 Metern Entfernung den Buskam, einen riesigen Findling, aus dem Meer ragen. Vermutlich hat er einen Umfang von 40 Metern, von denen ungefähr ein Drittel, nämlich gut 200 Kubikmeter, sichtbar ist. Um diesen Findling herum gibt es weitere kleinere Brocken, die allerdings immer unter Wasser liegen.

Die kleine Gemeinde Middelhagen mit weniger als 600 Einwohnern profitiert von verschiedenen Faktoren. Viele Urlauber wollen den Trubel der populären Rügener Badeorte umgehen und suchen ganz bewusst die Ruhe in einer beschaulichen Ortshaft, wie es Middelhagen ist. Dabei sind es nur wenige Kilometer bis zum Seebad Göhren. Auch die Ostseebäder Baabe und Thiessow liegen nicht weit entfernt. Aber die ruhige Lage von Middelhagen zwischen Ostsee im Osten und dem Greifswalder Bodden im Westen, die Hügel, Ackerflächen sowie die Salz- und Schilfwiesen machen den kleinen Erholungsort zum Eldorado für Naturliebhaber.

Bei Alt-Reddevitz, wo es die älteste Reihenhaussiedlung der Insel Rügen zu besichtigen gibt, ragt die fünf Kilometer lange, aber sehr schmale Halbinsel Reddevitzer Höft ins Meer hinaus. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie die größte Fläche an Heidelandschaft der gesamten Insel Rügen beherbergt. Dass sie als Naturdenkmal gilt, versteht sich vor diesem Hintergrund von selbst.

In Middelhagen fallen vier große Holzfiguren auf, die von den Einwohnern liebevoll als die vier Bürgermeister bezeichnet werden. Daneben verfügt das Dorf über ein sehr interessantes Schulmuseum. Es ist in einem zauberhaften, reetgedeckten Fachwerkhaus aus dem späten 18. Jahrhundert untergebracht und zeigt vor allem den Raum einer einklassigen Dorfschule, wie sie auf dem Land nicht nur auf Rügen noch bis weit ins 20. Jahrhundert üblich war. Bis zu 60 Schüler sollten hier hauptsächlich lesen, schreiben und rechnen lernen – ein Albtraum nicht nur für heutige Lehrkräfte.

Die Katharinenkirche von Middelhagen stammt bereits aus dem Jahr 1455 und besteht aus Back- und Feldsteinen. Dadurch bietet sie ein recht urwüchsiges Erscheinungsbild. Ursprünglich gehörte das Gotteshaus zum Kloster Eldena, das sehr lange eins der geistigen Zentren Rügens war. Einige Elemente sind in späteren Epochen angefügt, so etwa der Dachreiter und der Treppentrum. Auch im Inneren gibt es Elemente unterschiedlicher Stilrichtungen. Aber insgesamt ist das Erscheinungsbild der kleinen Kirche sehr ansprechend.

Seebad Thiessow auf Rügen

Das Ostseebad Thiessow auf Rügen liegt am südlichen  Ende der Halbinsel Mönchgut. In Richtung Westen auf Rügen gibt es noch weiter südlich gelegene Ortschaften; aber dennoch ist Thiessow recht abgeschieden vom Rummel und Trubel der übrigen Rügener Ostseebäder. Vielleicht fühlen sich allzu viele Touristen von der Popularität der Bäder Binz, Sellin oder auch Baabe und Göhren angezogen, dass sie die wenigen Kilometer bis nach Thiessow scheuen.

Das wäre schade. Vor allem für diejenigen, die in den Ferien keine laute Betriebsamkeit mögen. Denn die Ausnahmelage des Seebades Thiessow in einer besonders reizvollen Gegend Rügens, nämlich an drei Seiten  an die Ostsee grenzend und umgeben von sanften Hügeln, Salzwiesen und fruchtbaren Böden sorgt dafür, dass sich das kleine Seebad inmitten des Biosphären-Reservat befindet. Das macht den Ort nicht nur für entsprechende Fachleute, sondern auch für begeisterte Naturliebhaber zum Eldorado.

Im Seebad Thiessow scheint die Zeit fast stillzustehen. Die beschauliche Ortschaft mit den hübschen Fischerhäusern fasziniert jeden, der Ruhe und Ungezwungenheit sucht. Familiäre Herzlichkeit anstelle von mondänem Auftreten; gemütlich und einfach geht es zu und nicht vornehm oder gar gekünstelt. Aber die Unterkünfte für die Gäste sind dennoch mit allem ausgestattet, was sich der moderne Urlauber wünscht.

Das Seebad Thiessow ist das einzige Seebad auf Rügen, in dem auch heute noch neben dem Tourismus die Fischerei eine große Rolle spielt – die Gäste danken es durch den Verzehr von fangfrischen Köstlichkeiten aus dem Meer. Zudem war diese Ortschaft ein strategisch wichtiger Posten nicht nur für die Rügener, sondern auch insgesamt für die umgebende Lotsenschaft. Denn die strategisch günstige Lage in der Nähe des Strelasund war durch die Jahrhunderte hindurch ein wichtiger Faktor für die Bedeutung des Lotsenwesens auf der Insel Rügen. Dem trug man im Jahr 1859 dadurch Rechnung, dass man das Seebad Thiessow zum Hauptsitz des Lotsenwesens im südlichen Teil Rügens machte. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieg lebte hier ein Lotsenkommandeur.

Im Jahr 1909 nahm der Lotsenturm seinen Dienst auf. Bis 1977 war er nahezu rund um die Uhr ersetzt; dann jedoch lösten neue Techniken die bisherigen ab, woraufhin der alte Turm mehr und mehr verfiel. Nach der Wende jedoch besann man sich auf die historischen Werte und errichtete einen neuen Lotsenturm anhand der Pläne des verfallenen. Da einige Mobilfunkanbieter den Neubau wesentlich mitfinanziert haben, konnten sie auf der technischen Nutzung des Turms als Sendemast bestehen. Daneben gibt es hier ständige und wechselnde Ausstellungen zu sehen. Und den herrlichen Rundumblick von der Aussichtsplattform sollte man sich nicht entgehen lassen.

Die Umgebung des Seebades Thiessow auf Rügen

Im Ostseebad Thiessow selbst, aber natürlich auch in der nächsten Umgebung lässt es sich herrlich wandern und radeln. Warum also dann nicht mal das winzige Dorf Klein Zicker besuchen, das offiziell ein Ortsteil des Seebades Thiessow ist? Es liegt fast am Ende einer schmalen Landzunge, von der großen Schwester aus in nordöstliche Richtung weist.

Auch das Leben in Klein Zicker war von Fischfang. Lotsenwesen und der Seefahrt insgesamt geprägt. Zudem hat es hier von der Mitte des 19. Jahrhunderts einige Jahrzehntelang eine Zollstation gegeben. In diesem (inzwischen deutlich sanierten) Haus befindet sich jetzt eine Gaststätte.

Klein Zicker liegt am Südufer des gleichnamigen Sees, der genau genommen kein See im eigentlichen Sinn, also mit Süßwasser, ist, sondern einfach eine Meeresbucht. Genau gegenüber, nämlich an seinem nördlichen Ufer, befindet sich Groß Zicker. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein kleines Fischerdorf, in dem ganz allmählich der Fremdenverkehr  Einzug gehalten hat. Und es gibt einige historische Sehenswürdigkeiten zu bestaunen:

Die evangelische Dorfkirche stammt bereits aus dem Jahr 1360 und ist ein typisches Beispiel der Backsteingotik. Die meisten Gegenstände im Inneren stammen aus späteren Zeiten; so etwa der Sakramentenschrein, der aus einem Eichenstamm gehauen ist und um 1500 entstand. Die Kanzel ist ein typisches Barockkunstwerk von 1653, während die Orgel eines Stettiner Meisters aus dem Jahr 1864 datiert.

Sehr sehenswert ist auch das Pfarrwitwenhaus von 1723. Hier beeindruckt besonders das üppige Reetdach, das bis fast auf den Boden reicht und auf diese Weise einen herrlichen Schutz vor den Unbilden der Welt bot.