Rügener Spezialitäten

Es ist beinahe schon normal, dass eine so große Insel wie Rügen auch viele Spezialitäten zu bieten hat. Dass der Fisch eine davon ist, liegt auf der Hand. Zudem ist die Ostseeküste generell ist ein wahres Eldorado für Bernsteinsammler. Rügern hält außerdem einige landwirtschaftliche Produkte bereit, was bei den Ausmaßen und der vergleichsweise dünnen Besiedlung zwar nicht ungewöhnlich ist. Aber da prinzipiell der Trend dahin geht, nahezu alle verfügbaren Flächen für den lukrativen Tourismus zu nutzen, stellt Rügen auch in dieser Hinsicht eine angenehme Sonderform dar. Was die Insel Rügen aber ganz einzigartig macht, sind die Kreidevorkommen.

Rügener Kreide


Rügen ist weltbekannt für seine Kreidefelsen im Norden der Insel. Diese seltenen Kliffs sind selbstverständlich streng geschützt, und niemand wagt es, Teile davon zu entfernen. Im  Gegenteil: Wenn eine besonders aufgewühlte Ostsee an stürmischen Tagen wieder mal einige mit sich gerissen hat, treten Naturschützer auf den Plan und versuchen, den Rest zu bewahren und noch Schlimmeres zu verhindern.

Dennoch hat die Rügener Kreide auch als Exportgut von der Insel einen großen Namen. Sie stammt allerdings von anderen Stellen. Immerhin steht die gesamte Insel Rügen auf Kreide – bei den steilen Felsen tritt diese Tatsache nur sehr augenfällig in Erscheinung. Diese geologische Besonderheit entstand vor 70 bis 100 Millionen Jahren, als Überreste winzigster Lebewesen auf den Grund der Ostsee sanken, wo sie sich miteinander verbanden und aushärteten. Die Gletscher der Eiszeit taten ein Übriges, indem sie diese zunächst kleinen Teile zusammenschoben, pressten und ihnen teils bizarre Formen gaben.

So könnte man letztlich fast überall auf Rügen Kreide abbauen. Selbstverständlich geschieht dies heute in besonders ausgewiesenen Gebieten im Inneren der Insel. Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatte man Verwendung für das weiße Gold, als die viele die Rügener Kreide heute bezeichnen. Aber erst ab 1845 begann der professionelle Abbau mit der entsprechenden Verarbeitung. Damals gab es 19 Kreidebrüche auf Rügen. Was inzwischen maschinell passiert, war in diesen Anfangszeiten harte Knochenarbeit. Angeseilt in den Kreidewänden hängend mussten die Arbeiter mit der Spitzhacke Stück für Stück von dem wertvollen Material heraushauen – eine recht gefährliche und vor allem sehr anstrengende Tätigkeit.

Kreide spielt eine große Rolle in der Produktion von Farben, Fliesen und Geschirr, auch in der chemischen Industrie und in der Landwirtschaft findet sie Verwendung. Zudem ist Kreide Bestandteil von Zahnpasta und anderen kosmetischen Produkten wie etwa Peeling-Cremes. Die Rügener Kreide ist besonders fein und zudem schneeweiß – naturrein ist sie ohnehin. Das macht sie auch zu einem beliebten Produkt in der Heilbehandlung. Schon seit vielen Jahrzehnten ist der Ruf der Rügener Heilkreide weit verbreitet. Sassnitz war in den 1930ern sogar Heilbad, und zwar wegen eben dieser Kreidekuren. Sie sind besonders wirksam bei Rheuma, Gelenkproblemen und verschiedenen Hauterkrankungen.

Rügener Bernstein


Speziell die gesamte Ostseeküste ist bekannt für ihren Reichtum an Bernstein, wenn er auch in nahezu allen Bereichen der Erde vorkommt. Aber aufgrund von geografischen und geologischen Besonderheiten ist der allergrößte Teil des heute verarbeiteten Bernsteins vor vielen Millionen Jahren im Baltikum entstanden. Sehr viel davon wurde und wird immer noch auch an die Küsten Rügens gespült. Besonders nach heftigen Stürmen findet man leicht das eine oder andere Stück am Strand.

Diese Funde reichen aber ganz gewiss nicht für all die schönen Gegenstände aus Bernstein, die man in den Schmuckgeschäften und den speziellen Boutiquen Rügens findet. Dennoch kann der Urlauber sich dort ein schönes Rügen-Souvenir mitnehmen. Denn die allermeisten Gegenstände sind immerhin auf Rügen verarbeitet.

Um aus dem Rohbernstein, wie man ihn am Strand findet, ein Schmuckstück anzufertigen, bedarf es keiner allzu großen handwerklichen Künste. Und auch das Zubehör findet sich in jedem Haushalt. Dennoch ist es ratsam, die kostbaren Funde in die Hände von Fachleuten zu geben. Denn nur sie haben das für die Bearbeitung notwendige Fingerspitzengefühl, das letztlich bei dem doch sehr empfindlichen ehemaligen Baumharz notwendig ist. Zudem sehen sie auf einen Blick, in welcher geschliffenen Form der Bernstein am besten zur Geltung kommen wird.

Die Urlauber dürfen also gerne ihren Rügen-Aufenthalt dazu nutzen, bei einem ansässigen Meister vorzusprechen und sich zumindest beraten zu lassen.

Sanddorn von Rügen


Alljährlich Anfang September finden am Kap Arkona auf Rügen die Sanddorntage statt. Sie beginnen mit der Krönung des Königspaares und einem anschließenden Festumzug mit schön dekorierten Wagen. Sie stehen vielfach auch unter einem bestimmten Motto. Dieses bunte Spektakel ist für die Einheimischen ein großes Ereignis und für die Gäste ein sehenswertes Schauspiel.

Fast noch interessanter für die Besucher ist die Verkostung diverser Sanddorn-Produkte, die im Binnenland weniger bekannt sind. Bei Sanddorn handelt es sich um einen sehr dornigen Strauch mit leuchtend orange-gelben Beeren. Sie sitzen dicht an dicht an den Zweigen und schützen sich dadurch, dass zwischendrin immer wieder spitze und recht lange Dornen hervorstehen. Daher gestaltet sich die Ernte recht aufwendig. Meist schneidet man die Enden der Zweige komplett ab und entfernt die Früchte anschließend durch Schütteln.

Beim Rügener Sanddornfest können sich die Gäste auch im Melken der Beeren versuchen und anschließen den gewonnenen Saft mitnehmen – das ist allerdings eine sehr mühselige Prozedur. Einfacher ist es daher, den fertig gepressten Saft zu erwerben. Aber Vorsicht: Sanddorn ist zwar außerordentlich vitaminhaltig, aber im Rohzustand kaum zu genießen. Viel besser schmeckt er verarbeitet. Und da gibt es unzählige Varianten.

Sehr beliebt sind Marmeladen und Gelees. Dabei dringt durchaus auch die herbe Säure des Sanddorns durch, wird aber durch den Zuckerzusatz abgemildert. In Kombination mit Himbeeren etwa verlieren diese Früchte viel von ihrer Süße. Sehr bliebt sind auch Likör und Schnaps aus Sanddorn. Beide schmecken sehr fruchtig. Und an kalten Tagen ist Sanddorn-Punsch ein Hochgenuss. Aber generell gibt es kaum ein Lebensmittel, das durch die Beigabe von Sanddorn nicht gewinnt. In Schokolade, als Saft im Joghurt oder im Eis – kosten sollte man zumindest einige dieser Möglichkeiten. Dazu hat man während der Rügener Sanddorntage eine gute Gelegenheit.

Aber prinzipiell bieten viele Geschäfte auf Rügen Sanddorn-Spezialitäten an und erlauben vielfach auch das Probieren. Übrigens findet inzwischen der Sanddorn auch in der Kosmetik Verwendung. Die hoch konzentrierte Fruchtsäure wirkt sehr belebend und verbessert zudem das Hautbild.

Landwirtschaftliche Erzeugnisse von Rügen


Besonders die Halbinsel Wittow, aber auch das Zentrum Rügens sowie der Süden weisen viele landwirtschaftlich genutzte Flächen auf. Die vorwiegend stark sandhaltigen Böden bieten die ideale Grundlage für Spargel. Auch Kohl gedeiht ausgezeichnet auf Rügen. Sowohl dem zarten Frühjahrsgemüse mit der kurzen Saison aus auch den deftigen Herbstsorten
widmen die Insulaner spezielle Festlichkeiten. Da man jedoch in dem rauen Inselklima generell eher Handfestes schätzt, spielen die Kohlwochen eine weitaus größere Rolle.

Schon seit 1994 fällt alljährlich im September der Startschuss für eine vierwöchige Hommage an den Rügener Kohl. Unter der Leitung des DEHOGA, des Bauernverbandes und weiterer Institutionen laden diverse Restaurants zum Schlemmen ein und überbieten sich wahrlich bei der Kreation ebenso ausgefallener wie schmackhafter Gerichte rund um den Kohl. Sie sind oftmals exotisch, aber auch Bodenständiges findet sich auf den Speisekarten. Die allermeisten Rügener Gemeinden organisieren unterschiedliche Veranstaltungen. Zu den bekanntesten zählt der Kohlmarkt in Bergen auf Rügen. Selbstverständlich sollen die Besucher das vitaminreiche und äußerst gesunde Gemüse kaufen, aber probieren ist ausdrücklich erwünscht. Zudem gibt es nützliche und neue wie auch traditionelle Gegenstände rund um den Kohl – ein rundum spannendes Event.

Ebenso interessant ist das Erntefest am Kap Arkona. Es findet im Rahmen der Rügener Kohlwochen statt. Auch hier haben die Besucher die Gelegenheit, Einblicke in die landwirtschaftliche Arbeitsweise zu bekommen. Fast noch beliebter ist das Kreiserntefest in Putbus. Die Aussteller zeigen, was sie an landwirtschaftlichen Produkten produzieren. Und vor allem, zu welch köstlichen Delikatessen sie ihre Ernte verarbeiten. In Putbus gibt es zudem einen bunten Festumzug mit herrlich geschmückten Wagen. Und viele spannende Events machen das Rahmenprogramm für Groß und Klein zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Rügener Fisch


Wer auf einer Insel seinen Urlaub oder auch nur ein paar Ferientage verbringt, erwartet Fisch in vielen Varianten. Dieser Wunsch wird auf Rügen keineswegs enttäuscht. Im Gegenteil: Die Ostsee mit ihrem nur sehr schwach salzigen Wasser bietet generell einen ganz eigenen Fischbestand. Hinzu kommen viele Binnenseen mit reinem Süßwasser und vor allem die einzigartigen Bodden-Gewässer.

Über das ganze Jahr verteilt findet man in den Restaurants eine reich bestückte Fischkarte. Der Vorteil für Feinschmecker liegt darin, dass Rügen trotz seiner Größe eine Insel der kurzen Wege ist. Die Delikatessen sind also richtig frisch.

Zwei besonderen Fischsorten sind auf Rügen spezielle Wochen gewidmet: Im März gibt es die Herings- und im April die Hornfischwochen.

Im März ziehen die Heringe in riesigen Schwärmen an Rügens Küsten vorbei – eine ideale Gelegenheit für Hobby-Angler, die heimische Küche zu bereichern. Vor allem aber die Berufsfischer versorgen im März die Rügener Restaurants und Imbissstände mit den Fischen, die dort zu den unterschiedlichsten Gerichten verarbeitet werden.

Bekanntlich war der Hering besonders in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, aber auch noch bis in die 1960er Jahre hinein ein wenig angesehener, weil sehr preiswerter Fisch. Er hatte daher den Ruch des Arme-Leute-Essens. Diese Zeiten sind lange vorbei; denn inzwischen zählt der Hering zu den Delikatessen, die in besonders vielen Varianten auf den Tisch kommen.

Im Rahmen der Rügener Heringswochen gibt es längst nicht nur in den traditionellen gastronomischen Betrieben diese Köstlichkeiten, sondern viele Gemeinden veranstalten auch Fischerfeste, bei denen Hering in seiner Vielfalt zu probieren ist. Selbstverständlich darf bei solchen Dorf-Veranstaltungen ein spannendes Rahmenprogramm nicht fehlen.

Ähnliches gilt für die Rügener Hornfischwochen. Der Hornfisch ist eine besondere Hechtart, die während der DDR-Zeiten dort als Arbeiter-Aal bezeichnet wurde, also auch mit dem Image des Billig-Fischs belegt war. Der Hornfisch ist ab Ende April für nur wenige Wochen vor Rügens Küsten anzutreffen. Daher widmen ihm die Insulaner während dieser Zeit die gleiche Aufmerksamkeit wie zuvor dem Hering.

Auch im Mai gibt es zahlreiche Veranstaltungen rund um die Fischerei allgemein und den Hornfisch speziell.