Die Halbinsel Jasmund auf Rügen

Die Halbinsel Jasmund im Nordosten von Rügen ist gekennzeichnet durch verschiedene Naturdenkmäler und geschützte Bereiche. An der Nordostküste verläuft die weltberühmte Kreideküste mit ihren eigenwilligen Formationen, von denen der 118 Meter hohe Königstuhl zu den bekanntesten zählt. Eingerahmt wird diese Ecke von den beiden Ortschaften Lohme und Sassnitz, wobei diese bereits den Status einer Stadt besitzt. Den Süden der einzigartigen Region Rügens nehmen der Große und der Kleine Jasmunder Bodden ein; aufgrund ihrer Wasserqualität stellen beide Gewässer ein wahres Paradies für Naturfreunde und auch für Angler dar.

Daneben ist die Halbinsel Jasmund mit dichten Wäldern bedeckt, allein die Stubnitz ist ein 30 Quadratkilometer großer Buchenwald, wie er selbst auf der waldreichen Insel Rügen seinesgleichen sucht. Überhaupt ist die Halbinsel Jasmund mit vielen, teilweise selten geformten Wäldern bedeckt. Daneben gibt es Wiesen, Moore, einige Seen und auch Weiden.

Südlich von Sassnitz liegen die bekannten Feuersteinfelder bei Neu Mukran, in denen sich ein sehr seltener Pflanzenbewuchs angesiedelt hat.

Naturschönheiten der Halbinsel Jasmund auf Rügen


Der größte Teil der nordöstlichen Rügener Halbinsel Jasmund besteht aus Naturdenkmälern. Erfreulicherweise unterliegen sie strengen Schutzmaßnahmen, damit sie möglichst lange für die Nachwelt erhalten bleiben.

Die Kreideküste auf Rügen im Bereich der Halbinsel Jasmund ist weltberühmt, und das nicht erst seit dem Gemälde von Caspar David Friedrich. Sie strahlt schon von Weitem in einem klaren Weiß, das mit dem blauen Meer und der grünen Vegetation kontrastiert. Die Rügener Kreideküste besteht aus schroffen Kliffs. Es handelt sich um weiche Kreide, die vor über 70 Millionen Jahren am heutigen Meeresgrund entstanden ist. In diesem Sedimentgestein sind auch winzige Lebewesen enthalten, zudem stößt der Besucher vor allem nach Kreideabbrüchen immer wieder auf versteinerte Kleintiere.

Bekanntestes Kliff an der Rügener Kreideküste ist ohne Zweifel der Königsstuhl. Er ragt stolze 118 Meter weit am Strand empor, und Besucher haben vom Meer aus einen fantastischen Blick auf die imposante Formation. Allerdings dürfen sie den Königsstuhl auf Rügen auch erwandern: Ein sehr lohnender Spaziergang umfasst die insgesamt elf Kilometer von Sassnitz nach Lohme und führt auch über dieses weltbekannte Kliff. Das eigenwillige Kreidegebilde hat seinen Namen übrigens von einer Sage: In früheren Zeiten wurde angeblich derjenige König, der vom Meer aus diesen Felsen ersteigen konnte.

Besonders bizarr stellen sich die Wissower Klinken dar. Dabei handelt es sich ebenfalls um Kreidekliffs, die jedoch 2005 zum großen Teil ins Meer abrutschten.

Die Kreideküste von Rügen ist einem ständigen Wandel unterworfen, weil das weiche Material immer wieder vom aufgepeitschten Meer weggespült wird. Man rechnet mit einem jährlichen Verlust von 20 Zentimetern. Besonders bedrohlich ist dieser Umstand angesichts der Tatsache, dass die Küstenkliffs vielfach unten teilweise weggespült oder zumindest ein wenig ausgehöhlt werden. Und dadurch haben die oberen Schichten keinen Halt mehr und stürzen unwiederbringlich ins Meer. Vor diesem Hintergrund ist es selbstverständlich, dass dieses kostbare Naturdenkmal streng geschützt wird. Schon lange gab es Bemühungen zum Schutz dieser Gebiete – früher jedoch aus vorwiegend materiellen Interessen. Im Jahr 1929 traten Naturschützer auf den Plan, die eine erste Verordnung zur Bewahrung der Kostbarkeiten durchsetzen konnten. Und der kurzzeitigen Ausbeutung dieser reizvollen Rügener Gegend durch Touristenströme nach der politischen Wende konnte recht bald ein umfassendes Naturschutzprogramm Einhalt gebieten.

Zu den schönsten Seen auf der Rügener Halbinsel Jasmund zählt der Herthasee. Er liegt ganz in der Nähe des Königsstuhls und hat eine Fläche von etwa 170 mal 140 Metern. Um diesen See ranken sich viele Mythen und Geschichten – vermutlich wegen der idyllisch-romantischen Lage. Die in der Nähe liegende Herthaburg ist eine Wallanlage mit den Resten einer Vorburg, die vermutlich während der Besiedlung Rügens durch die Slawen im frühen Mittelalter entstanden ist.

Ortschaften auf der Rügener Halbinsel Jasmund

Inmitten der herrlichen Natur gibt es selbstverständlich auch Ansiedlungen, die indessen lediglich einen sehr geringen Prozentsatz an der Gesamtfläche ausmachen. Sassnitz an der südöstlichen Küste ist die bedeutendste. Lohme gegenüber an der Nordküste gilt als der Endpunkt der eigenwilligen Kreideformation; diese 500-Seelen-Gemeide hatte jedoch lange Zeit eher regionale Bedeutung.

Lohme an der Nordküste Rügens


Das kleine Dorf Lohme an der Nordküste Rügens war schon im 19. Jahrhundert ein beliebtes Seebad. Im Verlauf der Geschichte mit ihren Kriegen und den Diktaturen geriet es nahezu vollkommen in Vergessenheit. So kommt es, dass es seit der Wende ganz allmählich wieder ins Interesse der Urlauber rückt.

Lohme hat sich in all den Jahrzehnten den beschaulichen Charme eines Fischerdorfs bewahrt. Und genau das ist es, was die Ruhe suchenden Urlauber so fasziniert. Zusammen mit der unvergleichlichen Lage, die den Blick freigibt hinüber zur Kreideküste, bietet Lohme die besten Voraussetzungen, sich zu einem angesagten Seebad auf Rügen zu entwickeln.

Sassnitz an der Ostküste Rügens


Mit mehr als 10.000 Einwohnern ist Sassnitz die zweitgrößte Stadt auf Rügen. Wie in den meisten Ansiedlungen  an einer Küste hat sich auch hier der Fremdenverkehr einen bedeutenden Platz erobert. Es heißt, dass schon im Jahr 1824 eine Berliner Theologenfamilie nach Sassnitz auf Rügen gereist sei, um dort einen Badeaufenthalt zu genießen (oder was man damals dafür hielt!). Allerdings spielt der Fischfang ebenfalls nach wie vor eine große Rolle.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es in Sassnitz zu intensiven Baumaßnahmen und Erweiterungen der Infrastruktur. Die Straßen und Eisenbahnlinien auf Rügen berührten nun auch Sassnitz, und schließlich bewirkte der neue Hafen einen weiteren Zulauf an Feriengästen. Als dann mit Beginn des 20. Jahrhunderts die Strandpromenade und stattliche Villen im repräsentativen Stil der Bäderarchitektur das Stadtbild prägten, schien dem neuen und lukrativen Geschäftszweig des Tourismus nichts mehr im Wege zu stehen.

Bekanntlich stoppten die historischen Entwicklungen diesen Boom zumindest vorübergehend. Aber nach 1990 setzte erneut eine rege Bautätigkeit ein; jetzt wollte man die leicht verfallenen Gebäude wiederherstellen und für die Touristen ansprechend gestalten. Auch die Umgestaltung des Fährhafens südlich von Sassnitz trug zur raschen Entwicklung der Stadt bei: Denn er ist jetzt der wichtigste Ausgangspunkt auf Rügen für Schiffspassagen in den ganzen Ostseebereich. Zudem stellt er einen bedeutenden Knotenpunkt für den Güterumschlag auf Rügen dar.

Den Stadthafen können Fußgänger seit 2007 über eine Hängebrücke erreichen. Sie misst 274 Meter und verbindet das Stadtzentrum von Sassnitz mit dem ehemals einzigen Hafen. Da der dortige sogenannte Glasbahnhof mittlerweile seine eigentliche Funktion verloren hat, dient das Gebäude jetzt als Ort für Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen. Als ständige Institution gibt es das Fischerei- und Hafenmuseum mit Exponaten zur Fischerei auf Rügen und zum alten Hafen von Sassnitz.

Die Außenmole von Sassnitz ist ein bedeutendes Bauwerk nicht nur für Rügen. Sondern mit einer Länge von fast eineinhalb Kilometern ist sie sogar die längste in Europa. Sie hat sich zu einer regelrechten Flaniermeile entwickelt, ähnlich wie die Seebrücken in anderen Seebädern auf Rügen. Die Bauarbeiten daran begannen schon 1889, waren allerdings erst 1912 beendet.

Der historische Stadtkern von Sassnitz zeigt einige schöne Gebäude, die gut erhalten oder restauriert sind. Das jetzige Rathaus war ursprünglich als Gemeindehaus und zugleich Warmbad geplant und auch genutzt. Davon zeugt heute eine Glasbemalung am Haupteingang.

Nach dreijähriger Bauzeit waren die Arbeiten an der Johanniskirche von Sassnitz beendet. Zuvor hatte es in einer sogenannten Waldkirche Gottesdienste gegeben, die jedoch in einem Waldstück im Freien stattfanden: Der Altar war aus Erde aufgeschüttet, davor saßen die Gläubigen auf Rasenbänken. Der jetzige Bau ist im Stil der Neugotik entstanden. Auffallend ist der mit 33 Metern überraschend hohe Turm. Er ist seitlich angesetzt und hat einen achteckigen Grundriss.

Die Umgebung von Sassnitz auf Rügen


Neben Tourismus und Fischindustrie spielt die Kreide eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben nicht nur von Sassnitz, sondern von Rügen überhaupt. Dass man dabei die berühmten Bereiche an der Kreideküste unangetastet lässt, versteht sich von selbst. Aber im Landesinneren findet die Kreideförderung im Tagebau statt, und zwar nahe Sassnitz, nämlich bei Klementelvitz. Das Rügener Produkt ist weltweit sehr angesehen und findet in den Filteranlagen von Kraftwerken und auch in der Medizin Anwendung.

Auf dem inzwischen stillgelegten Gelände der Kreideförderung in Gummanz nahe Sassnitz existiert das einzige Kreidemuseum Europas. Es zeigt Geräte aus der Frühzeit des Kreideabbaus und informiert ausführlich und anschaulich über die Geologie und sowie die Förderung und Verarbeitung von Kreide auf Rügen.

Bei Neu Mukran im Osten von Rügen ist eine Rarität entstanden: die Feuersteinfelder. Auf einer Fläche von 2.000 mal 200 Metern haben sich hier die steinernen Kreideablagerungen in insgesamt 14 einen Meter hohen Wällen gebildet. Dieser Prozess vollzog sich um etwa 2.000 v. Chr., als viele Sturmfluten das Gestein aus den Kreidefelsen herausbrachen.

Das Steinerne Meer, wie man diese sensationelle Fläche auch nennt, ist dicht mit Kiefern umstanden, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts angepflanzt wurden. Seit das gesamte Gebiet unter Naturschutz steht, entwickelt sich mit Knabenkraut, Sonnentau und Wollgras eine Vegetation, wie sie sogar auf Rügen nicht allzu häufig zu finden ist.

Der Große und der Kleine Bodden auf Rügen


Die Halbinsel Jasmund im Nordosten von Rügen grenzt im Süden an den Großen und den Kleinen Jasmunder Bodden. Dabei handelt es sich um ehemalige Meeresbuchten. Der Große Jasmunder Bodden hat inzwischen aber nur noch einen schmalen Zugang zur Ostsee, nämlich auf der Höhe der vorgelagerten Insel Hiddensee. Der Hauptteil nimmt eine Fläche von fast 60 Quadratkilometern ein; allerdings ist dieses Gewässer nicht etwa gerade abgerundet, sondern zieht sich in kleinen Seen und Ausbuchtungen weiter. Insgesamt vergrößert sich dadurch die Fläche um die Hälfte.

Einige kleine Bäche fließen in den Großen Jasmunder Bodden. Dieses Süßwasser vermischt sich mit dem geringen Salzzufluss aus der Ostsee, was dazu führt, dass sich hier Brackwasser gebildet hat. Dadurch ist eine einzigartige Vegetation entstanden. Die Ufer sind dicht mit Schilf bestanden, was dazu führt, dass sich viele seltene Vogelarten hier ihre Nist- und Brutplätze gesucht haben. Dennoch findet auch eine touristische Nutzung des Großen Jasmunder Bodden statt. In den umliegenden Ortschaften vermieten die Einwohner  Unterkünfte an die Feriengäste, und das Gewässer ist ein beliebter Tummelplatz für Segler und Schwimmer.

Der Kleine Jasmunder Bodden befindet sich östlich seines großen Bruders und ist mit etwa 30 Quadratkilometern etwa halb so groß. Im Jahr 1869 schüttete man zur Trennung zwischen den beiden Gewässern einen Damm auf. Lediglich im Nordwesten besteht eine kleine Verbindung.

Auf diese Weise verändert sich die Wasserqualität mehr und mehr in die eines Sees. Da der ungewöhnliche Salzgehalt ganz besondere Fische beherbergt, ist der Kleine Jasmunder Bodden zu einem der beliebtesten Anglerreviere von Rügen geworden.